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Prim. Doz. Dr. Wolfgang Schima, MSc Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Fortbildungsverantwortlicher der Österreichischen Röntgengesellschaft
 
Standpunkte 17. Mai 2011

Eine Mammutprüfung überfordert jeden

Eine aktuelle internationale Studie stellt den österreichischen Facharztprüfungen insgesamt ein gutes Zeugnis aus. Allerdings sind diese Prüfungen bisher sehr heterogen, was den Aufbau und den Schwierigkeitsgrad der Prüfungen in den einzelnen Sonderfächern angeht. Wir haben in der Facharztprüfung Radiologie von Anfang an auf einen dreiteiligen Prüfungsmodus mit einem Multiple-Choice-Test, einem Kurz-Antwort-Fragen-Test sowie einer strukturierten mündlichen Prüfung gesetzt. Dies deshalb, weil es uns wichtig ist, nicht nur theoretisches Buchwissen abzufragen, sondern in die Prüfungssituation auch praxisrelevante Fragestellungen einzubauen. Das macht die Prüfung zwar aufwändig, dafür aber weniger anfällig für zufällige „Ausreißer“. Denn nur ein Multiple-Choice-Test allein sollte nicht den Ausschlag geben, ob man Facharzt werden kann oder nicht. Generell könnten – wo immer dies möglich ist – strukturierte „Clinical Examinations“ in die Prüfungen Eingang finden.

Ein großes Problem sehe ich in der Abhaltung einer einzigen Mammutprüfung am Ende einer sechsjährigen Facharztausbildung, die auch wirklich fleißige Ausbildungsärzte überfordert und unnötig stresst. Wir haben uns deshalb nach umfassenden Diskussionen innerhalb der Österreichischen Röntgengesellschaft dafür entschieden, den technischen Teil der Facharztprüfung betreffend die Kenntnisse der Röntgenphysik und des Strahlenschutzes dorthin zu verlagern, wo er hingehört: in die erste Hälfte der Ausbildungszeit. Dies bedeutet, dass die Ausbildungsärzte während der Ausbildung kontinuierlich lernen und dieses Basiswissen bereits früh erwerben. Am Ende der Ausbildung müssen sie dann nur den klinischen Teil der Prüfung ablegen, was eine erhebliche Entlastung der Kandidaten bedeutet und von diesen auch sehr positiv aufgenommen worden ist. Eine mehrstufige, modulare Facharztprüfung inklusive Praxis- elementen ist sicher aufwändiger als eine einzige Prüfung am Ende der Facharztausbildung, jedoch richtungsweisend für die Zukunft.

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