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Foto: Ärztekammer Steiermark/Foto Sissi Furgler
Dr. Wolfgang Routil Präsident der Österreichischen Akademie der Ärzte
 
Standpunkte 17. Mai 2011

Der Staat muss Lehrpraxis finanzieren

Die Ausbildung zum Allgemeinmediziner ist in ihrer Doppelfunktion nicht mehr zeitgemäß. Sie soll eine allgemeine Berufsqualifikation sicherstellen und gleichzeitig auf die speziellen Anforderungen eines Arztes für Allgemeinmedizin vorbereiten. Es gelingt nicht mehr, diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Folge ist, dass die Ausbildung nicht ausreichend praxisorientiert auf die Aufgaben des Allgemeinmediziners in der Primärversorgung vorbereitet.

Österreich muss endlich das Primary-Health-Care-Konzept umsetzen, wenn das System nicht an die Wand fahren soll. Dafür ist es wichtig, dass die Anzahl der Generalisten in der ambulanten Versorgung nicht weiter abnimmt. Beruf und Ausbildung des Allgemeinmediziners müssen wieder attraktiv werden. Das Ausbildungssystem muss vertieft und in Richtung Praxisorientierung modernisiert werden.

Gefordert wird von uns daher die Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin mit einem Pflichtjahr in der Lehrpraxis. Und die muss – wie in vielen europäischen Ländern – von der öffentlichen Hand bezahlt werden. Nur die Ausbildung in der Lehrpraxis kann den erforderlichen Praxisbezug herstellen. Nur dort wird der junge Allgemeinmediziner unter Anleitung eines erfahrenen Kollegen genau auf die auf ihn zukommenden Aufgaben vorbereitet. Auch international ist das verpflichtende Lehrpraxisjahr schon lange üblich.

Wir sind stolz, dass der Arztprüfung in Österreich international ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt wurde. Unser Ziel für die nächsten zehn Jahre ist es, dass der Arzt während seiner Ausbildung Unterstützung in Form von arbeitsplatzbasierten Assessments erhält. Darunter verstehen wir institutionalisierte Beurteilungsgespräche mit dem Ausbildner und kleine Prüfungen, die dem Arzt und dem Ausbildungsverantwortlichen helfen einzuschätzen, wo die Ausbildungsziele erreicht wurden bzw. wo Nachholbedarf besteht. Solche Rückmeldungen sind sehr wichtig und werden etwa in England und der Schweiz bereits erfolgreich eingesetzt.

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