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Foto: LMU
Prof. Dr. Martin Fischer Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke, externer Begutachter der Österreichischen Arztprüfungen
 
Standpunkte 17. Mai 2011

Qualität und Entwicklungspotenzial

Die österreichischen Facharztprüfungen haben sich in den letzten Jahren qualitativ gut entwickelt. Dank zentraler Organisation und qualitätsgesicherter Prüfungsfragen mit landesweit standardisierten Prüfungen wurde in den einzelnen Fächern viel erreicht. Dabei sind die konstruktive Rolle der Fachgesellschaften sowie die gute Zusammenarbeit mit der Akademie der Ärzte hervorzuheben.

Aber können schriftliche Fragen im Multiple-Choice-Format am Ende einer langjährigen Facharztausbildung wirklich das abprüfen, was für eine Patientenversorgung nach den Regeln der ärztlichen Kunst erforderlich ist? Prüfungen ohne Praxisbezug greifen zu kurz. Für die Zukunft bieten sich neben den etablierten Abschlussprüfungen praxisnähere und kontinuierlich über die gesamte Facharztzeit verteilte Prüfungsformate an. Deren Ergebnisse erlauben eine regelmäßige Rückmeldung an die Kandidaten, die dadurch wissen, was sie noch vertiefen müssen. Hier sind die Weiterbildungsverantwortlichen vor Ort gefordert – und die Rahmenbedingen in den Krankenhäusern müssen stimmen. Das wird ohne zusätzliche Ressourcen nicht gehen.

Die einzelnen Fächer konstruieren ihre Prüfungen immer noch für sich – das entspricht nicht immer den Anforderungen in der Patientenversorgung. Die gegenseitige interdisziplinäre Einbeziehung von Kollegen bei der Prüfungsentwicklung bietet sich insbesondere in der Kombination von zentralen klinischen Fächern wie der Inneren Medizin und der Chirurgie zum Beispiel mit Radiologie oder Mikrobiologie an.

Der Turnus mit der Allgemeinmedizinprüfung passt nicht mehr in diese Konzeption. Konsequent wäre eine klinische Basisprüfung nach einem oder zwei Jahren für alle Fächer – und dann eine Facharztprüfung für Allgemeinmedizin nach zwei oder drei weiteren Ausbildungsjahren für diejenigen, die in der hausärztlichen Versorgung tätig werden wollen. Das würde die Ausbildung straffen und die Allgemeinmedizin entsprechend internationalen Standards aufwerten – zum Wohle der Versorgungsqualität für die Patienten.

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