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Prof. Dr. Gerald Zöch AWA-Generalsekretär, Facharzt für plastische Chirurgie
 
Standpunkte 10. Mai 2011

Amputationsregister dringend erforderlich

Die bereits 1989 in der „St. Vincent-Deklaration“ gestellte Forderung nach Senkung der Amputationsrate um 50 Prozent beim DFS wurde bisher nachweislich nicht erfüllt. Im Gegenteil, die Zahl steigt sogar weiterhin an. Wir wissen auch, dass 75 Prozent der Amputierten im Schnitt nach 6,5 Jahren sterben – wir wissen aber nicht, was der Grund dafür ist. Und wir wissen auch, dass das Krückengehen besonders belastend für den Kreislauf ist, ein Umstand, der die Stoffwechselerkrankten nach einer Amputation zusätzlich belastet. Als Grundlage werden derzeit die von der Statistik Austria gelieferten Daten der „medizinischen Einzelleistung“ Unterschenkelamputation, Knieexartikulation und Oberschenkelamputation herangezogen. Eine Zuordnung von Diagnosen ist damit nicht möglich. Demnach fehlen auch die wesentlichen Eckpunkte für den Ausbau adäquater Versorgungsmaßnahmen für Diabetiker.

Die AWA hat im Auftrag der österreichischen Gesellschaft für Chirurgie mit dem Gesundheitsministerium Gespräche über die Implementierung eines Amputationsregisters geführt. Die Auswertung der erhobenen Daten würde der Qualitätssicherung dienen und könnte die Grundlage zur Erstellung von Behandlungspfaden sowie Algorithmen zur Indikationsstellung von Majoramputationen dienen. Ich hoffe, dass wir innerhalb des nächsten Jahres mit dem Register starten können. Dort sollen nicht nur die Ursachen erfasst werden, sondern auch das sozialökonomische Umfeld, wie etwa die Frage nach der Teilnahme an Schulungen oder an Gesundenuntersuchungen.

Am dringlichsten ist das Bekanntmachen des Themas „diabetischer Fuß“. Das Schlimme ist: die meisten Amputationen wären vermeidbar, wenn die Aufklärung über Gefäßerkrankungen besser wäre. Bei AIDS wissen fast alle, dass Präservative vor der Erkrankung schützen können, aber wissen alle, dass ein vorsorgender Lebensstil vor Diabetes schützt?

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