zur Navigation zum Inhalt
Foto: beigestellt
Prof. Dr. Gerhard Lenz Ärztlicher Leiter des Zentrums für seelische Gesundheit LEOpoldau der BBRZ Med GmbH
 
Standpunkte 4. Mai 2011

Psychosoziale Belastungen steigen deutlich an

In den letzten Jahren ist es zu einer massiven Zunahme von Krankenstandstagen aufgrund von psychischen Erkrankungen gekommen, obwohl fast alle anderen Krankheiten als Ursache für Krankenstandstage zurückgegangen sind. Ähnliche Entwicklungen lassen sich bei der Zuerkennung von Frühinvalidität feststellen: immer mehr Personen treten wegen psychischer Erkrankungen die Frühpension an, 2008 waren psychische Erkrankungen bei Angestellten mit 42 Prozent bereits die häufigste Ursache bei Neuzugängen zur Invaliditätspension, bei Arbeitern mit knapp 30 Prozent die zweithäufigste Ursache nach Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Ein wesentlicher Faktor dafür dürfte die Zunahme beruflicher psychosozialer Belastungen sein. In der betriebsärztlichen Praxis sind Themen wie arbeitsbedingter Stress, Burnout, arbeitsbezogene Ängste und Depressionen, Mobbing, Konflikte, Schicht- oder Nachtarbeit an der Tagesordnung. In der globalisierten Arbeitswelt der Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft mit Dauerbereitschaft über 24 Stunden, sieben Tage die Woche gibt es permanenten Wettbewerb, hohen Konkurrenzdruck, Arbeitsplatzunsicherheit, eine „hire and fire“-Mentalität, Flexibilität, Mobilität, ständige Erreichbarkeit, Arbeitsverdichtung sowie eine Erosion der Normalarbeitsverhältnisse durch erhöhte Zeit- bzw. Leiharbeit, befristete Arbeitsverträge oder Abbau des Kündigungsschutzes.

Arbeitsplatzspezifische Angstauslöser werden zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Untersuchungen zu arbeitsbedingten Ursachen für das Auftreten von depressiven Störungen zeigen, dass depressive Symptomatik bei solchen Beschäftigten häufiger vorkommen, die ihre Arbeitsintensität als hoch und gleichzeitig ihren Tätigkeitsspielraum als niedrig erleben.

Nach dem Motto „Reha vor Pension“ soll mittels gezielter Rehabilitation gegengesteuert werden.

  • Frau Lilith Lilith, 17.07.2013 um 15:37:

    „Mobbing auf dem Weg zum Rechtsbegriff – Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz- für Österreich
    Der Begriff Mobbing ist im Zusammenhang mit der Arbeitswelt seit den achtziger Jahren durch die Literatur von Herrn Dr. Leymann bekannt geworden. Mobbing beschreibt einen prozesshaften Verlauf in welcher Vorgesetzte oder/und Kollegen durch seelische Gewaltakte (zB. verbale und nonverbale subtile doppeldeutige Kommunikationsformen, entmündigende, kontrollierende Kommunikation und Handlungen etc.) Mitmenschen in ihrer Integrität destabilisieren, mit dem Ziel diese aus der Arbeitsgemeinschaft zu drängen.
    Der gemobbte Mensch trägt weitgehend die verheerenden Konsequenzen wie Langzeitkrankenstand, Armutsgefährdung, Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, manchmal Suicid. Die Gesellschaft trägt einen großen Teil der Kosten. Für Österreich gibt es keine genauen Zahlen. In Vorarlberg wurden folgende Folgekostenabschätzung in Erwägung gezogen: pro Mobbingfall mindestens 175 000 – 200 000 €. Für Vorarlberg gesamt belaufen sich die Kosten mindestens 616 -680 Millionen (1). Die Mobber haben kaum Konsequenzen zu erwarten und können weiter mobben. In den meisten Fällen scheidet der gemobbte Mensch durch Krankheit, Kündigung etc. aus.
    Um den persönlich erlittenen Schaden und um den ungeheuren wirtschaftlichen Verlust zu sanktionieren bedarf es eines neuen spezifischen Tatbestandes mit Schadensersatzsprüchen Mobbing-Tatbestandes in Form eines Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetzes.
    Derzeit ist die rechtliche Beurteilung massiv erschwert, da bei ein und demselben Mobbinggeschehen zivil-, arbeits- und strafrechtliche Tatbestände rechtsübergreifend geprüft werden müssen. Dazu kommt noch, daß das österreichische Rechtssystem nur einzelne Vorfälle, nicht jedoch einen längerdauernden Verlauf im Rahmen eines einschüchternden, feindseligen oder demütigenden Arbeitsumwelt von den täglichen kleinen Gemeinheiten bis zum Rechtsbrüche durch Über- und Fehlgriffe der Entscheidungsträger sprich Vorgesetzten. Die Berufung auf viel zitierte Fürsorgepflicht wird von mobbinginvolvierten Fachkundigen eher belächelt und achselzuckend zur Kenntnis genommen.
    2006 (2), 2007 (3) wurden parlamentarische Anfragen zum Thema Mobbing eingereicht und abgelehnt mit dem Hinweis die gegenwärtige Rechtslage sei ausreichend.
    2008 (4) BM Hundstorfer hält seit 2008 eine „Verankerung von Mobbing im Strafgesetzbuch für notwendig“
    2009 (5) wurde von Herrn Walter Plutsch der Antrag seiner Bürgerinitiative zur Erreichung eines "Anti-Mobbing-Gesetzes“ eingereicht und ebenfalls abgelehnt.
    Zwischenzeitlich wurde 2009 (6) eine Dienstrechts-Novelle mit einem Mobbing-Verbot im öffentlichen Dienst und 2011 (7) wurden Schutzmaßnahmen für "Whistleblower" im Beamtendienstrecht verankert.
    2011 (8) AK Salzburg Dr. Gabriele Wonnebauer fordert ein Anti-Mobbing-Gesetz, die AK Salzburg fordert seit ca. 10 Jahren ein Anti-Mobbing-Gesetz
    2011 (9) AK Steiermark und ÖGB fordern ein Anti-Mobbing-Gesetz
    2011 (10) AK Kärnten Herr Goach „Anti-Mobbing-Gesetz längst überfällig“
    2013 (11) erfolgte ein neuerlicher Anlauf in Form einer Petition „Österreich braucht ein Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz“ eingebracht. Befürworter eines Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz für Österreich können dieser Petition online zustimmen:
    http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/index.shtml?jsMode=&xdocumentUri=&NRBR=NR&BBET=PET&ZUSTIMM=ZU&SUCH=&listeId=104&LISTE=Anzeigen&FBEZ=FP_004

    (1) http://www.pakte.at/attach/Mobbing-Bericht_Vbg_nov03.pdf
    (2) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXII/J/J_04323/index.shtml
    (3) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIII/J/J_01915/index.shtml
    (4) http://www.oe24.at/oesterrei... eit/257519
    (5) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/BI/BI_00009/index.shtml
    (6) http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2009/PK1070/index.shtml
    (7) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/I/I_01610/index.shtml
    (8) http://www.diesalzburgerin.at/bilder/pd... 5_2010.pdf, http://wirtschaftsblatt.at/archiv/1207167/index
    (9) http://steiermark.orf.at/news/stories/2508267/
    (10) http://www.mein-klagenfurt.at/aktuelle-pressemeldungen/pressemeldungen-dezember-2011/goach-anti-mobbing-gesetz-ueberfaellig/
    (11) http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/index.shtml?jsMode=&xdocumentUri=&NRBR=NR&BBET=PET&ZUSTIMM=ZU&SUCH=&listeId=104&LISTE=Anzeigen&FBEZ=FP_004“

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben