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Dr. Artur Wechselberger Präsident der Ärztekammer Tirol, Leiter des Referats für Arbeitsmedizin der Österreichischen Ärztekammer
 
Standpunkte 4. Mai 2011

Wider jede volkswirtschaftliche Vernunft

Ärzte entscheiden nicht über die Pensionierung von Arbeitnehmern oder auch von Arbeitgebern. Ärzte erstellen lediglich Gutachten, in denen sie zu den Fragen der – diese Gutachten in Auftrag gebenden – Sozialversicherungen oder der Arbeits- und Sozialgerichte, die Arbeitsfähigkeit der begutachteten Personen betreffend, Stellung beziehen. Allein die Tatsache, dass viele Pensionswerber alle Instanzen bemühen, um ihr Ziel zu erreichen, zeigt die oft schwierige Beurteilungssituation. Letztlich scheint es oft der stille gesellschaftliche Konsens wider jede volkswirtschaftliche Vernunft zu sein, der ein Pensionsverfahren positiv abschließt. Denn die volkswirtschaftliche Vernunft würde gebieten, Arbeitsplätze in einem Arbeitsumfeld zu schaffen, das es ermöglicht, auch als alternde und von gesundheitlichen Einschränkungen behinderte Arbeitnehmer am Erwerbsprozess teilzunehmen. Die dazu notwendigen betriebswirtschaftlichen Überlegungen und die sich daraus ergebenden Umstrukturierungen haben allerdings weder in den Unternehmenskonzepten noch in den sozialpolitischen Vorstellungen der Politik ihren Platz.

Neben der fehlenden Bereitschaft der öffentlichen Hand, die Beschäftigung von eingeschränkten und älteren Mitarbeitern zu fördern, ist es oft die Gehaltssystematik, die den älteren und leistungsschwächeren Arbeitnehmer mobbt und gegen die billigeren, flexibleren und im traditionellen Verständnis leistungsfähigeren jungen Arbeitnehmer ausspielt.

Es ist eine wichtige Aufgabe der Arbeitsmedizin, darauf zu drängen, dass die Arbeitsplätze und der Arbeitsrhythmus den Bedürfnissen der alternden Arbeitnehmer angepasst werden. Adäquate Anforderungen und bewältigbare physische wie psychische Belastungen am Arbeitsplatz sowie Schulungsmaßnahmen und Rücksichtnahme sind die Grundvoraussetzung, um die notwendige Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters auch wirklich umsetzen zu können.

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