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Dr. Ernest G. Pichlbauer Unabhängiger Gesundheitsökonom
 
Standpunkte 26. April 2011

Länder und Kassen sind am Zug

Patienten, die statt einer HD eine PD erhalten können, haben eine höhere Lebensqualität, weil diese zu Hause erfolgen kann. Sie müssen nicht dreimal pro Woche in eine Dialyseeinrichtung, Pflegebedürftige müssen nicht stundenlang außerhalb ihrer gewohnten Umgebung liegen und, das sollte man nicht unterschätzen, es ist nicht nötig, seinen Urlaub auf Orte zu beschränken, die für Reisende Dialyseplätze anbieten. Neben höherer Lebensqualität verspricht die PD zudem niedrigere Behandlungskosten pro Patient und Jahr. Sie ist also geeignet, den Patientennutzen doppelt zu verbessern.

Rund 4.200 Österreicher sind auf Dialyse angewiesen. Nach meinen Informationen benützen aber nur 380 die PD, das sind rund 9 Prozent. Diese Quote ist im internationalen Vergleich bescheiden, haben doch andere einen Anteil zwischen 20 und 25 Prozent. Das zeigt, dass die PD nicht „zweite Wahl“ ist. In den Bundesländern sind Unterschiede zu entdecken, die kaum erklärbar sind. Spitzenreiter war 2009 Vorarlberg mit rund 14 Prozent, Schlusslichter sind Kärnten und Oberösterreich mit knapp 6 Prozent.

Warum die PD selten angewandt wird, ist schwer zu sagen, besonders, da ich kein Nephrologe bin. Aber der Verdacht, dass es keine medizinischen Gründe sind, liegt nahe. Einerseits könnte es an einer relativen Unwissenheit, vielleicht auch an einem (honorarbedingten) Unwillen der Hausärzte liegen, andererseits daran, dass Nephrologen in Spitälern ausgebildet und auf HD spezialisiert wurden und zudem Patienten nicht an Hausärzte „verlieren“ wollen. Wenn dem so ist, dann könnten dem nur die systemverantwortlichen Länder und Kassen durch Aufklärung und Anreizsysteme (Umgestaltung der Honorarkataloge) entgegenwirken.

Aber warum sollten sie das tun? Schließlich ist es für Länder angenehm, Patienten ans Spital zu binden, erhöhen sie doch deren Auslastung. Und für die Kassen ist es angenehm, wenn keine weiteren Kosten entstehen. Ob das im Sinne der Patienten und der zahlenden Bevölkerung ist, dürfte sekundär sein.

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