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Foto: Georg Lembergh
Dr. Hans G. Zeger Obmann der „ARGE DATEN – Österreichische Gesellschaft für Datenschutz“
 
Standpunkte 19. April 2011

Vom eigenen Anspruch längst verabschiedet

Jeder Patient hat Anspruch auf optimale Betreuung, aber auch auf Achtung seiner Privatsphäre und auf optimalen Mitteleinsatz. ELGA ist in diesem Sinne kein Ersatz für längst überfällige Strukturreformen, sondern allenfalls ein perfektes Controller-System, um „Sparmeister“ und „Kostenverursacher“ zu identifizieren. Vom Anspruch, alle Patientendaten bereitzustellen, hat sich ELGA ohnehin längst verabschiedet. Aus der Elektronischen Lebenslangen GesundheitsAkte wurde ein Sammelsurium von Listen. Wichtige alte Gesundheitsdaten kommen nicht ins System, es gibt keine Sicherung gegen Fehleinträge oder gegen Verlust, keine Möglichkeit, nichtelektronische Daten nachzutragen, keine Verpflichtung, Daten aktuell zu halten. Patienten- oder Gesundheitsanbieter-, Medikamenten-, Impf- oder Röntgenindex – kein Index muss vollständig sein. Sie sind für Mediziner wertlos, da keine Garantie über Verfügbarkeit und Richtigkeit abgegeben wird. „Jeder Patient soll entscheiden, wer was sehen darf“, beteuern ELGA-Befürworter. Dazu wäre ein Berechtigungssystem erforderlich, das 400 Spitäler, 25.000 Ärzte, neun Millionen Patienten, mehrere Hundert Millionen Befunde und Krankengeschichten verwaltet. Selbst wenn ELGA-Dokumente bloß drei Jahre verfügbar sind, müsste die Zugriffsverwaltung aus Haftungsgründen, wie jede andere medizinische Dokumentation, 35 Jahre verfügbar sein. Konservativ geschätzt, verursacht dieses System 200 Millionen Errichtungs- und 100 Millionen Euro jährliche Betriebskosten. Statt ELGA ist eine Fokussierung auf die Strukturprobleme der Gesundheitsversorgung überfällig. ELGA ist keine gesundheitspolitische, sondern eine grundsatzpolitische Frage: Sind Bürger, Patienten und Mediziner Kostenträger und Objekte, die zu verwalten sind, oder sind Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen verantwortungsbewusste Individuen gemeinsam an einer optimalen Gesundheitsversorgung arbeiten?

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