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Herbert Pachler Geschäftsführer, PBK Ideenreich Kommunikationsdesign
 
Standpunkte 13. April 2011

Interessenskonflikte vorprogrammiert

In der Gesundheitskommunikation wird den Menschen immer unterstellt, sie seien zu dumm, etwas zu verstehen. Die Klassifizierung des Konsumenten als einer, der „nichts wissen soll, weil....“ halte ich für erniedrigend.

Wenn ich ein Medikament verschrieben bekomme und demzufolge krank bin, dann will ich doch jede Information haben, die es gibt. Schließlich geht es um mein Leben und da sollte niemand das Recht haben, darüber zu befinden, welche und wie viel Information gut für mich ist. Wenn ich mir heute ein neues Handy oder ein neues Auto kaufe, dann erfahre ich vergleichsweise mehr darüber als über ein Medikament, das mir verschrieben wird.

Volle Patienteninformation ist ein Muss, schließlich sind die Patienten die Zahler im System und die müssen doch dann wohl auch das Recht haben, informiert zu werden. Ich verstehe schon, dass sich viele davor fürchten, dass mit der Liberalisierung der Pharmakommunikation in Richtung Patienten „amerikanische Verhältnisse“ auf uns zukommen könnten. Aus meiner Sicht wünschen sich die zentralen Beteiligten, nämlich Hersteller und Patienten, diese Informationsfreiheit. Es gibt dahinter aber auch noch Interessen, wie die von Ärzten oder Apothekern, die dann die Beschneidung ihrer Beratungs- und Informationskompetenzen fürchten.

Ich wehre mich gegen diese juristischen Definitionen von Werbung, weil das ein extrem weiter Begriff ist. Kommunikation ist Werbung, und die ist für mich eine leicht überzogene Darstellung der Wahrheit in bildlichem und wörtlichem Sinn. Aufklärung ist auch eine Kommunikationsdienstleistung, aber von Werbung weit entfernt. Ich denke, die Entwicklung wird ähnlich sein wie bei Finanzprodukten – wenn eine Information von einem Unternehmen an einen Konsumenten geht und das Thema ist sensibel, dann wird man sich das einfach sehr genau anschauen müssen, ob es marktschreierisch ist oder einfach informativ.

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