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Foto: Damm
Dr. Lilly Damm Child Public Health, Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health, Meduni Wien
 
Standpunkte 6. April 2011

Roulette bei Schulimpfungen beenden

Die Problematik bei den Schulimpfungen ist seit Langem bekannt. Die aktuelle Diskussion zeigt die Schwachstellen des Systems wieder einmal deutlich auf: Die Aufgaben der Schulärzte sind je nach Bundesland und Schultyp unterschiedlich geregelt und es gibt für deren Aufgaben und insbesondere für die Schulimpfungen keine gesetzlichen Grundlagen. Es gibt österreichweit Schulärzte, die impfen, andere wiederum, die es nicht tun, weil sie es gar nicht im Dienstvertrag haben. Es gibt Bundesländer, in denen bestimmte Schulimpfungen durchgeführt werden, andere, in denen das nicht der Fall ist. Impfungen sind eine gesundheitspolitisch so bedeutsame Präventionsmaßnahme, dass man sie nicht länger dem Zufall überlassen darf. Und es ist nicht tragbar, dass Schulärzte im Dienst der allgemeinen Gesundheit impfen, aber das volle Rechtsrisiko als Einzelpersonen dafür tragen. Es fehlt seit Jahren ein klares Konzept, wie die Empfehlungen des Obersten Sanitätsrats bei den Schulimpfungen umgesetzt werden können. Ein Konzept, das ein modernes Qualitätsmanagement einschließt und das die notwendigen rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen schafft. Die beiden zuständigen Bundesministerien für Unterricht und Gesundheit müssten endlich eine Form einer strukturierten Zusammenarbeit finden, die sich an der Gesundheit und den Bedürfnissen der Schulkinder orientiert – und nicht an Zuständigkeiten der Ministerien oder an den Interessen einzelner Berufsgruppen.

Im Lebens- und Sozialraum Schule sind alle Kinder und Jugendlichen erreichbar – eine ideale Voraussetzung, um soziale Benachteiligung auch in der Gesundheitsversorgung zu kompensieren. Es ist hoch an der Zeit, Zufall, Goodwill und Provisorien in der Gesundheitsversorgung der Schulkinder durch ein umfassendes und allen Schulkindern in Österreich gleichermaßen zugute kommendes Versorgungskonzept zu ersetzen.

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