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Foto: MedUniWien
Prof. Dr. Michael Kunze Vorstand am Institut für Sozialmedizin der Meduni Wien
 
Standpunkte 6. April 2011

Sachliche Diskussion statt Panikreaktion

Um eine flächendeckende Versorgung bei Schutzimpfungen aufrechterhalten zu können, brauchen wir auch in Zukunft auf jeden Fall beide Systeme: den niedergelassenen Arzt und die Schulärzte. Diese sind insofern wichtig, als wir über sie auch viele Kinder aus sozial schwachen Familien erreichen können. Wenn die Impfaktionen über das Schulsystem gut organisiert sind – und das ist ja durchaus der Fall –, dann trägt das sehr viel dazu bei, Schutzimpfungen über weite Teile der Bevölkerung zu verbreiten.

Das heißt aber keinesfalls, dass wir den niedergelassenen Bereich ausschließen sollten. Ich bin jedenfalls dafür, weiterhin beide Systeme zu nutzen. Natürlich besteht darin auch immer die Gefahr von Interessenskonflikten. Das aktuelle Problem betrifft aber nicht die Dualität, sondern vielmehr die ordnungsgemäße Aufklärungspflicht bei Schutzimpfungen. Dem OGH-Urteil, das aktueller Anlass für die wiederaufkeimende Diskussion ist, liegt ein sehr komplizierter Rechtsfall zugrunde. Das richterliche Urteil betreffend einer nicht ausreichenden Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen und Risiken bringt in jedem Fall Handlungsbedarf für die Verantwortlichen mit sich. Dabei handelt es sich ganz bestimmt um eine schwierige organisatorische Herausforderung, die aber nichtsdestotrotz angenommen werden muss. Und soweit mir bekannt ist, ist man ja auch schon auf dem besten Weg dazu, hier entsprechende Lösungen umzusetzen. So wird in bestimmten Bundesländern bereits auch wieder geimpft.

Vielleicht haben manche Schulärzte in ihrer ersten Reaktion auf das OGH-Urteil auch ein wenig überzogen reagiert. Sofort sämtliche Impfungen zu stoppen, wenn ein juristisches Problem auftritt, hatte für meinen Geschmack ein bisschen viel mit Panikreaktion zu tun. Aber jetzt scheint die Angelegenheit ohnehin wieder in sachliche Bahnen gelenkt.

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