zur Navigation zum Inhalt
Foto: beigestellt
Dr. Leonhard Loimer Vorstand der KinderWunschKliniken Wels und Wien
 
Standpunkte 30. März 2011

Vorwürfe sind unberechtigt

Es ist richtig, dass in den letzten Jahren die Zahl der Mehrlingsgeburten mit perinatalen Komplikationen in Österreich zunimmt. Die meisten dieser Schwangerschaften sind, wie auch im aktuellen Fall der Wiener Fünflinge, auf den in der Praxis oft unkontrollierten Gebrauch von Clomifen oder anderen Hormontherapien zurückzuführen und nicht, wie oft fälschlich angenommen wird, auf das wahllose Zurücktransferieren von Embryonen nach In-vitro-Fertilisierung.

Es gibt eine Empfehlung der österreichischen IVF-Fachgesellschaften, welche das Zurücktransferieren von mehr als zwei Embryonen nur in extremen Ausnahmefällen ermöglicht. In dieser Empfehlung wird allerdings Rücksicht auf die Tatsache genommen, dass bei Frauen ab dem 36. Lebensjahr die Schwangerschaftsrate auch nach In-vitro-Fertilisierung deutlich sinkt. Die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung mit einer strikten Limitierung der einzusetzenden Embryonen ist deshalb zurückzuweisen, weil sich nur auf Grundlage einer seriösen und individuellen Betreuung der Paare eine hohe Schwangerschaftsrate mit gleichzeitig wenigen Mehrlingen ergeben kann. Wenn man sich an dieses Prinzip hält, so ist die Konzeption höhergradiger Mehrlinge nach menschlichem Ermessen zu vermeiden. Es wird in Zukunft wichtig sein, darauf zu drängen, dass den bestehenden Empfehlungen österreichweit tatsächlich gefolgt wird, auch wenn das in den meisten Kinderwunschkliniken ohnehin schon heute der Fall ist. Vor diesem Hintergrund sind mediale Pauschalvorwürfe gegen Reproduktionsmediziner – wenn etwa von „unseriösen Praktiken“ gesprochen wird – unzutreffend und durchaus entbehrlich.

Die Vermeidung höhergradiger Mehrlinge nach In-vitro-Fertilisierung ist ein großes Anliegen der von mir geleiteten KinderWunschKliniken. Im Rahmen der Eröffnung der neuen Wiener KinderWunschKlinik im 14. Bezirk Anfang April wird daher auch Prof. DDr. Johannes Huber darlegen, wie höhergradige Mehrlingsgeburten verhindert werden können.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben