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Prof. Dr. Peter Husslein
Prof. Dr. Peter Husslein Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Wien
 
Standpunkte 30. März 2011

Medizinisch und ethisch nicht akzeptabel

Vor allem die Erhöhung des mütterlichen Alters führt zur stetigen Zunahme von Frühgeborenen und spontanen Mehrlingen. Durch die eindrucksvollen Fortschritte der Geburtshilfe und Neonatologie ist die Prognose dieser Hochrisikokinder heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahren. Das führt aber auch zu einem immer höheren Bedarf an Kinderintensiv- und Intermediate-Care-Betten und zunehmend inakzeptablen Arbeitsbedingungen in den Perinatalzentren. Die einzige Schraube, an der man relativ leicht drehen kann, ist die Reproduktionsmedizin. Unkontrollierte Hormonstimulationen sind medizinisch und ethisch inakzeptabel, ebenso der Transfer von unnötig vielen Embryonen bei In-vitro-Fertilisation. Die Gesellschaft kann es sich nicht länger gefallen lassen, dass sich schwarze Schafe in der Reproduktionsmedizin über nationale und internationale Empfehlungen hinwegsetzen, unkritisch mit ihren eigenen Ergebnissen umgehen und die Schwangeren dann zur Lösung der anstehenden Probleme an Perinatalzentren transferieren. Dort müssen entweder höhergradige Mehrlingsschwangerschaften reduziert – das heißt konkret, Feten umgebracht werden, um das Risiko für die verbleibenden zu verringern – oder aber die entsprechenden Risiken eingegangen werden. Und diese sind enorm: 40 Prozent aller Drillingskinder sind entweder tot oder behindert. Die fahrlässige Auslösung einer Mehrlingsschwangerschaft ist daher kein Erfolg, sondern ein Versagen der Reproduktionsmedizin.

Das Gesundheitsministerium arbeitet derzeit an einer Novellierung des Fortpflanzungsmedizingesetzes bzw. an der Umsetzung entsprechender Verordnungen. Die Einhaltung der existierenden Leitlinie der IVF-Gesellschaften muss zwingend sein. Für die Hormonstimulation müssen ebenfalls verbindliche Leitlinien ausgearbeitet werden. Nur so kann wenigstens der unnotwendige Anteil der Frühgeburten vermieden werden. Unabhängig davon müssen die Perinatalzentren durch eine zusätzliche Ressourceninvestition besser ausgestattet werden.

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