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Prof. Dr. Wolfgang Urdl Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie
 
Standpunkte 30. März 2011

Empfehlung statt gesetzlicher Limitierung

Es ist unbestritten, dass in den letzten Jahren reproduktionsmedizinische Maßnahmen zur Behandlung des unerfüllten Kinderwunsches zu einer signifikanten Anhebung der Mehrlingsrate und damit zu einem Anstieg der Frühgeburtenrate beigetragen haben. Das führt auch in Österreich zu intensiven Diskussionen. Dabei wird immer wieder die Forderung nach einer gesetzlichen Limitierung der maximalen Anzahl der in die Gebärmutter rückzuführenden Embryonen nach In-vitro-Fertilisierung laut. Die Österreichischen Gesellschaften für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie, für In-vitro-Fertilisierung und für Sterilität, Fertilität und Endokrinologie stehen einer solchen gesetzlichen Limitierung ablehnend gegenüber. Damit könnte nicht mehr ausreichend auf die individuelle Situation des Kinderwunschpaares eingegangen werden.

Um die Rate an Mehrlingsschwangerschaften nach In-vitro-Fertilisierung bei gleichzeitigem Aufrechtbleiben einer zufriedenstellenden Schwangerschaftsrate zu minimieren, haben die Gesellschaften eine Empfehlung zur maximalen Anzahl zu transferierender Embryonen herausgegeben, die das Alter der Frau, morphologische Kriterien zur Evaluierung der Einnistungspotenz des Embryos und die Zahl absolvierter Behandlungszyklen berücksichtigt. Die Empfehlung reicht von einem transferierten Embryo bei Frauen unter 37 mit guter Embryonalqualität bis maximal drei Embryonen bei Frauen über 40. Wir erwarten, dass die Reproduktionsmediziner und Biologen Österreichs ihre Verantwortung wahrnehmen und dieser Empfehlung nachkommen. Um ihre Einhaltung zu gewährleisten, muss bei nachweislichem, gehäuftem Zuwiderhandeln mit einer Überprüfung durch Vertreter der drei Gesellschaften gerechnet werden.

Das Aufrechterhalten einer akzeptablen Schwangerschaftsrate könnte bei einer gesetzlichen Limitierung der Anzahl zu transferierender Embryonen nur durch ein Anheben der Zahl an Behandlungszyklen kompensiert werden.

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