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Foto: Die Grünen
Karl Öllinger Sozial- und SeniorInnensprecher Die Grünen
 
Standpunkte 23. März 2011

Eine fatale Spirale

Die Erkenntnis, dass Armut krank macht, ist weder neu noch überraschend. Krankmachende Lebensbedingungen machen eben auch wirklich krank. Es überrascht auch nicht, dass Menschen mit niedrigem Einkommen ihr Lebensumfeld nicht wechseln: Sie geben für Wohnen und Energie bereits mehr als ein Drittel ihres Einkommens aus, während es bei den „reichsten“ Österreichern nur ein Fünftel ist. Sie müssen zudem 18 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, die „reichsten“ Österreicher nur 8 Prozent.

Obwohl eine Million Menschen in Österreich unter der Armutsgefährdungsschwelle leben, werden nur 0,35 Prozent des BIP für Sozialhilfe aufgewandt. Die von der Regierung gepriesene Mindestsicherung gönnt Betroffenen gerade einmal 75 Prozent der von der Statistik Austria errechneten Armutsgefährdungsschwelle. Damit wird Armut nicht zurückgedrängt, sondern zementiert. Der Zusammenhang von Armut und Krankheit hängt nicht nur am Geld. Wer Armut effektiv verhindern will, muss sich um billigere Mieten, höhere Energieeffizienz und weniger Umweltbelastung kümmern; muss für einen besseren Bildungszugang und leistbare Mobilität sorgen. Verantwortliche Politiker in Österreich gehen einen anderen Weg: Sie kürzen die Unterstützungsangebote für armutsgefährdete Menschen zusammen. Und sie nehmen damit die logische Konsequenz – mehr Armut und mehr Krankheit – in Kauf. Werden Armut und Krankheiten chronisch, dann hat das nicht nur Auswirkungen auf Gesundheits- und Sozialsystem, sondern auch auf den Pflegebedarf und die Pflegekosten. Eine fatale Spirale, die sich da zu drehen beginnt.

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