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Foto: beigestellt
Martin Schenk Sozialexperte Diakonie Österreich, Die Armutskonferenz
 
Standpunkte 23. März 2011

Die soziale Schere kommt teuer

Mehr soziale Probleme verursachen volkswirtschaftliche Kosten. Eine höhere Schulabbrecher-Quote beispielsweise bringt durch steigende Sozialausgaben, höhere Gesundheitskosten und entgangene Steuereinnahmen Kosten von 3 Milliarden Euro bei 10.000 Drop-outs. Wird Kinderarmut nicht bekämpft, entstehen Kosten von 4 Prozent des BIP pro Jahr. Ihre Bekämpfung kostet aber nur 0,4 Prozent des BIP. Geht die Schere zwischen Arm und Reich noch mehr auf, heißt das: geringere Lebenserwartung, mehr Teenager-Schwangerschaften, mehr Status-Stress, mehr Schulabbrecher, vollere Gefängnisse, mehr Gewalt und mehr soziale Ghettos.

Hingegen zahlen sich soziale Investitionen aus. Investiert man eine Million Euro in Kindergärten, so schafft man 14 bis 15 Vollzeitarbeitsplätze. Die Stromwirtschaft weist einen Beschäftigungsmultiplikator von 13 auf, der Bausektor von 11, Tourismus 19. Soziale Dienste sind auch deshalb konjunkturell interessant, weil sie regional und in strukturschwachen Regionen Jobs schaffen. Sie stützen die Kaufkraft und heben die Haushaltseinkommen. Auch wenn hier noch viel zu tun ist, was Bezahlung und Attraktivität der Jobs angeht. Insgesamt entstehen bei der Kinderbetreuung wie bei der Pflege Win-win-Situationen zwischen Familieneinkommen, Arbeitsplätzen, Frühförderung von Kindern und Pflegeentlastung von Angehörigen. Hier gibt es viel ungenütztes Potenzial. Wer sozialer Polarisierung mit all ihren negativen Folgen für die ganze Gesellschaft gegensteuern will, muss nicht nur für die Stabilisierung des Finanz- und Bankensektors eintreten, sondern auch für die Stabilisierung des sozialen Ausgleichs.

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