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Foto: Privat
Mag.a Dr.in Edith Schratzberger-Vécsei Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie
 
Standpunkte 16. März 2011

Quote als Gegenmaßnahme

Ich halte Quotenregelungen in der Medizin wie in der Wirtschaft oder Politik zwar für eine unelegante, aber eine gute Sache. Derzeit sind in Österreich rund 10 Prozent aller Primariate und Klinikleitungen mit Frauen besetzt. Nimmt man die wachsende Zahl an Studentinnen und Absolventinnen in der Medizin, müsste der Anteil an Frauen in Spitzenpositionen längst viel höher sein. Solange also die Rahmenbedingungen in 90 Prozent zu männlichen Führungskräften führen, braucht es wirksame Gegenmaßnahmen. Die Quotenregelung halte ich für eine solche, vielleicht sogar für die einzige. Die Organisation der Ärztinnen Österreichs hat vor vier Jahren eine Interviewstudie mit Primarärztinnen durchgeführt. Als wirksame Hilfe auf dem Weg zur Spitze wurde dabei vor allem die Quotenregelung genannt. Entgegen verbreiteten Vorurteilen bringt eine Quotenregelung ja nicht unfähige Frauen in Spitzenpositionen, Voraussetzung muss selbstverständlich gleiche/vergleichbare Qualifikation sein. Natürlich sollen Quoten nur eine Übergangslösung sein. Sobald die Spitzenpositionen in der Medizin gerecht zwischen Männern und Frauen verteilt sind, braucht es keine Quoten mehr.

Wenn es um Forderungen oder Wünsche an die Politik und Standesvertretung geht, dann fallen mir zuallererst Arbeits- und Aufstiegsbedingungen in der Medizin ein. Es bräuchte zum einen Arbeitszeitmodelle, die Ärztinnen und Ärzten genug Zeit für familiäre Verpflichtungen lassen, und andererseits Aufstiegs- und Karrierebedingungen, die auch vorübergehende Teilzeittätigkeit erlauben. Mindestens genauso wichtig wären gute Kinderbetreuungseinrichtungen, von der Krabbelstube über Kindergärten bis zur guten Ganztagsbetreuung in den Schulen. Derzeit gehen der Medizin viele Ärztinnen verloren, weil sie nach Kinderpausen keine passenden Einstiegsmöglichkeiten und/oder keine Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder vorfinden. Diese Ärztinnen fehlen nicht nur als potenzielle Führungskräfte. Das Ganze ist zudem teuer und wird auch bei uns über kurz oder lang zu einem Ärztemangel führen.

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