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Foto: Privat
Dr.in Elisabeth Stubenberger Fachärztin für Unfall-, Allgemein- und Thoraxchirurgie, Initiative „Frauen in die Thoraxchirurgie“
 
Standpunkte 16. März 2011

Strukturen ändern statt Quoten

Obwohl 50 Prozent der Hochschulabsolventen Frauen sind, wird nur ein geringer Anteil leitender Positionen, insbesondere im Bereich der Medizin und hier eklatant in den chirurgischen Fächern, von Frauen besetzt. Wir müssen uns die Frage stellen, ob Frauen für Führungspositionen nicht geeignet sind oder ob die herrschenden gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten dies nicht zulassen. Warum wählen bei 60 Prozent weiblichen Studierenden in der Medizin nur 16 Prozent das chirurgische Fach? Eines lässt sich ganz klar feststellen: an den körperlichen und/oder intellektuellen Fähigkeiten liegt es nicht. Frauen können in der Chirurgie dieselbe Leistung erbringen wie ihre männlichen Kollegen.

Aus meiner Sicht sind sozialpolitische Strukturen, wie sie auch in anderen Berufen vorherrschen, hinderlich, um Frauen ins Fach drängen zu lassen. Sie müssen sich bei den derzeitigen Möglichkeiten entweder ein männliches Profil mit Hauptaugenmerk auf ihre Karriere und Verzicht auf Kinder und Familie aneignen oder sich für ein familienfreundliches Profil entscheiden, indem sie eine Fachausbildung beginnen, die Familie und ärztlichen Beruf besser vereint. Gäbe es, wie das Vorbild Schweden zeigt, einen leichteren Zugang der Väter zur Kinderkarenz mit gesicherter Rückkehr in den Job und 80-prozentiger Bezahlung während dieser Zeit, könnten sich beide Partner einer beruflichen Karriere widmen. Zudem müssen wir schon frühzeitig im Rahmen des Studiums in der Gesamtpopulation jene jungen Kolleginnen evaluieren, die sich aufgrund ihrer persönlichen Grundstrukturen – ausgerüstet mit rascher Entschlusskraft, Tatkraft und hohem Stresspotenzial – als Leader-Typen erweisen und damit für chirurgische Fächer, insbesondere solchen mit hohem Anteil an Akutoperationen, geeignet sind.

Eine gesetzlich vorgeschriebene Quotenregelung in der Chirurgie unterstützt uns Frauen nicht, da Frauen nicht aufgrund ihrer entsprechenden Qualifikationen in Führungspositionen bestellt würden, sondern durch dem Arbeitgeber vorgeschriebene Quoten.

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