zur Navigation zum Inhalt
Prof.in  Dr.in  Karin Gutiérrez-Lobos
Prof.in  Dr.in  Karin Gutiérrez-Lobos Vizerektorin für Personalentwicklung und Frauenförderung, Medizinische Universität Wien
 
Standpunkte 16. März 2011

Quoten und mehr

Obwohl gerade in der Medizin genug und kontinuierlich mehr qualifizierte Frauen zur Verfügung stehen, schaffen es nur wenige an die Spitze: 10 Prozent der PrimarärztInnen sind Frauen, im Präsidium der österreichischen Ärztekammer ist ebenso wie in der Leitung der Referate überhaupt keine Frau vertreten. In den Spitälern setzt ähnlich wie an den Unis im Verlauf der beruflichen Karriere ein geschlechtsabhängiger Segregationsprozess ein, ein schrittweises „Absickern“ – „leaky pipeline“ – von Frauen mit jeder Karrierestufe.

Quoten sind daher eine von vielen notwendigen Maßnahmen, um den Frauenanteil in medizinischen Spitzenpositionen zu erhöhen. (Männer)quoten gibt es übrigens schon ewig. In der Regierung, im Parlament, in den Aufsichtsräten oder in der Ärztekammer, da werden ganz selbstverständlich Interessen der Länder, der verschiedenen Vertretungen, der Fachgruppen etc. bedient. Einzig wenn es um Quoten für Frauen geht, wird plötzlich das Argument der „Qualifikation“, und zwar zu Ungunsten der Frauen, ins Spiel gebracht. Dass Leistung aber durchaus nicht geschlechtsneutral bewertet wird, ist nicht erst seit der berühmten Publikation von Wenneras und Wold in Nature bekannt. Solange Unternehmen nicht von sich aus gezielt nach qualifizierten Frauen suchen, wird sich ohne Quote nicht viel ändern. Das reicht von einer anteilsmäßigen Beschickung der Kammergremien bis zur Vergabe von Ausbildungsstellen, Kassenverträgen und Primariatsbesetzungen. Dazu gehört aber auch das Sichtbarmachen des wachsenden Anteils an Ärztinnen (Kammer für Ärztinnen und Ärzte).

Geschlechtsspezifische Rollenmuster und ein stark an männlichen Werten orientierter Berufsalltag haben großen Einfluss auf Ausbildung, Entwicklung und Karriereplanung von ÄrztInnen. Hier muss ein auch politisch getragenes Umdenken stattfinden: etwa eine längst fällige Modifizierung der Arbeitszeitregelung im Spital und eine an die Bedürfnisse von ÄrztInnen angepasste Kinderbetreuung, ein Wiedereinstiegsmodell sowie die Förderung der Väterkarenz.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben