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Foto: Paul Sturm/ÖGB-Verlag
Willibald Steinkellner Stellvertretender Gewerkschaftsvorsitzender vida - Sektion soziale, persönliche Dienste, Gesundheitsberufe
 
Standpunkte 8. März 2011

Soziale Arbeit ist mehr wert!

Im Jahr 2009 haben vida und die GPA-djp unter dem Slogan „Soziale Arbeit ist mehr wert“ eine Bürgerinitiative gestartet. Eine Hauptforderung der Initiative, die von 22.669 Menschen unterzeichnet wurde, ist die Bereitstellung einer Sozialmilliarde zur Stärkung der Sozial- und Gesundheitsdienste und damit auch der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten.

Ende Jänner 2011 haben sich vida und die GPA-djp nun per Brief direkt an alle Abgeordneten der Regierungsparteien gewandt, weil die Ziele und Anliegen der Initiative aus Sicht der beiden Gewerkschaften im Parlament bislang nicht ausreichend behandelt wurden. Eine gerechte und angemessene Bezahlung für die Pflege und Betreuung ist nicht erst in jüngster Zeit zu einem Thema geworden. Die Diskussion ist aber komplex, denn die Finanzierung der Pflege liegt in der Hand von Bund, Land und Gemeinden. Damit muss die öffentliche Hand eine Leistung erbringen, deren Finanzierung aber immer schwieriger wird. Vor allem fehlt in der Gesellschaft das Bewusstsein, dass Pflege einen Wert darstellt. Und daran knüpft sich unweigerlich die Frage „Wie viel bin ich bereit für Pflege zu bezahlen?“ Es gibt gültige Kollektivverträge, an denen wir laufend arbeiten und die wir verbessern.

Das entbindet aber nicht die Gesellschaft davon, zu entscheiden, wie und von wem sie gepflegt werden will – soll es jemand sein, der auch die Qualifikationen dazu hat, dann wird das wohl auch seinen Preis haben. Schließlich bringe ich mein Auto auch lieber in eine Fachwerkstatt, und es ist nicht einzusehen, dass ein Zylinderkopf mehr wert sein soll als ein Menschenkopf... Kurz gesagt: Die Gesellschaft muss begreifen, dass die Tätigkeit am Menschen etwas sehr Wertvolles ist und hohe Qualität in der Ausbildung erfordert, ebenso wie eine gerechte Entlohnung. Eine wirklich zufriedenstellende Lösung ist nur dann in Sicht, wenn auch genug Geld vorhanden ist, den Pflegebereich finanziell entsprechend auszustatten. Ein Hemmnis ist die Tatsache, dass unterschiedliche Pflegebereiche von unterschiedlichen Finanzierungsquellen gespeist werden. Gesundheitsleistungen folgen dem Sozialversicherungsprinzip, Pflege und Betreuung wird über die öffentliche Hand finanziert. Studien gehen davon aus, dass wir im Jahr 2030 im schlimmsten Fall acht oder neun Milliarden Euro für Pflege und Betreuung benötigen werden. Derzeit liegen wir bei rund vier Milliarden Euro. Dass vieles möglich ist, hat die Bankenkrise gezeigt. Wenn es ein Staat schafft, in nur wenigen Tagen den Bankensektor zu stützen, muss es auch möglich sein, entsprechende Beträge für die Pflege bereitzustellen. n

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