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Foto:  Erich Kronsteiner
DKGS Natalie Lottersberger Forum Freiberufliche Pflege
 
Standpunkte 8. März 2011

Keine Karriere, keine Motivation

Das Hauptproblem rund um die Gehälterdiskussion in der Pflege ist natürlich die Höhe der Entlohnung insgesamt, aber vor allem die geringe Differenz zwischen der Bezahlung von Pflegehelfern und diplomiertem Personal. Während die Pflegehelfer nur ein Jahr Ausbildung absolvieren, ist es bei den diplomierten Pflegern eine dreijährige Fachausbildung. So groß der Unterschied in der Ausbildung ist, so gering ist dann die Differenz in der Bezahlung im Arbeitsalltag – ein Umstand, der zu großem Unmut führt. Auch wenn das Pflegepersonal noch so qualifiziert ist, so fehlen in unserem Beruf die Chancen, Karriere zu machen und damit auch in eine höhere Gehaltsstufe zu wechseln. Das fördert nicht gerade die Motivation. Wer engagiert ist und sich fortbildet, hat meist Gehaltseinbußen während der Ausbildung und danach auch kaum Chancen auf mehr Einkommen.

Dass es so nicht sein muss, beweisen Modelle in anderen europäischen Ländern, wie etwa in England. Wer mehr „Grades“ vorweisen kann, wird auch finanziell besser eingestuft. Es muss einfach mehr Anreize geben, diesen Beruf nicht nur gerne auszuüben, sondern auch sein Wissen laufend auf dem aktuellen Stand zu halten. Derzeit kann es schon sein, dass eine Intensivschwester im Krankenhaus weitaus weniger verdient als etwa ein freiberuflicher Wundmanager. Bisher war der Wunsch der meisten Absolventen, in ein fixes Dienstverhältnis zu kommen, mittlerweile beobachte ich den Trend in die umgekehrte Richtung. Viele wollen in den mobilen Pflegebereich und selbstständig arbeiten. Das kann mitunter heißen, mehr zu verdienen und auch die Arbeitszeit flexibler zu gestalten.

Dieser Trend liegt wohl auch daran, dass in Zukunft mehr Geld in den Bereich der extramuralen Pflege fließen wird. Hier sind aber auch neue Konzepte gefordert, wie etwa Familiengesundheitspflege, Community Nursing oder Case Management. Grundsätzlich unterliegt das gesamte Pflegepersonal dem Gesundheits- und Krankenpflegegesetz. Eine Ausgestaltung erfährt das Gesetz durch die jeweilige Tätigkeit, hier geht es dann auch um die Risikobereitschaft des Einzelnen. Wer mehr Verantwortung übernehmen will – egal ob im Krankenhaus oder in der Heimpflege –, der soll auch die Chance haben, mehr zu verdienen. Damit verhindern wir auch, dass gut ausgebildetes Personal in das Management abwandert, wo durchaus Karrierechancen bestehen. Aber es muss auch attraktiv sein und bleiben, im direkten Kontakt mit den Patienten und deren Angehörigen zu arbeiten. n

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