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Foto: Bernhard Noll
Dr. Günther Wawrowsky Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte
 
Standpunkte 2. März 2011

Krankenkassen sind natürlich keine Sparkassen

Die Österreichische Ärztekammer ist über das Krankenkassen-Plus von 280 Millionen Euro für das Jahr 2010 sehr erfreut. Diese – über alle Kassen hinweg – positive finanzielle Entwicklung ist nicht zuletzt auf das sehr moderate und verständnisvolle Verhalten unserer Ärzte zurückzuführen. Honorarabschlüsse weit unter der Inflationsrate und Einsparungen bei Medikamenten haben zu dem Überschuss entschieden beigetragen. Als nächster Schritt ist es wichtig, die nun zusätzlich zur Verfügung stehenden Mittel in die Entwicklung der Kassenmedizin und somit in die Patienten zu investieren. Keinesfalls darf das Geld ausschließlich zum Abdecken von Defiziten aufgewendet werden. Das ist eigentlich Aufgabe der Politik, die den Kassen in den vergangenen Jahren immer mehr versicherungsfremde Leistungen aufgebrummt hat.

Nun ist es höchste Zeit, dass bei den eigentlichen medizinischen Leistungen nachgebessert wird. Denn noch immer müssen zeitgemäße Untersuchungen wie die flexible Endoskopie im HNO-Bereich oder entwicklungsneurologische Untersuchungen von Kindern bei einzelnen Kassen selbst bezahlt werden. Zudem muss der Stellenplan angepasst werden, um Spitalsambulanzen zu entlasten und teure stationäre Aufnahmen zu verhindern. Unter dem Diktat der leeren Kassen hat es hier seit vielen Jahren keine Weiterentwicklung gegeben. So gab es etwa im Jahr 1998 433 Kassen-Internisten, 2008 waren es gerade einmal 434 – und das bei stark steigendem Bedarf. Besonders dramatisch ist die Situation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Hier ist Österreich in der Versorgung europaweit Schlusslicht. Nun sind endlich die Mittel da, um den niedergelassenen Bereich fit zu machen. Zu achten ist darauf, dass dieses dringend benötigte Geld nicht an medizinischen Nebenfronten verloren geht. Die Verantwortlichen müssen im Sinne der Patienten überlegen, wo investiert werden soll.

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