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Foto: Privat
Prof. Dr. Wolfgang Höltl Urologische Abteilung Kaiser-Franz-Josef Hospital
 
Standpunkte 8. Februar 2011

Eine verlässliche Risikoeinschätzung ist derzeit nicht möglich

Die Problematik der PSA-gestützten Früherkennung liegt im Fehlen von validen harten Kriterien zur Einschätzung des Low Risk PCa. Wir sind auf Grund der derzeitigen Datenlage nicht im Stande, dem Patienten eine verlässliche Risikoeinschätzung mitzuteilen. Es ist deshalb umso kritischer, die Entscheidung zur Therapie oder Surveillance dem Patienten zuzuschieben, wie es im Sinne des „informed consent“ (Einwilligung) immer gefordert wird. Eine Entscheidung in dieser speziellen Situation muss daher immer als eine Individualentscheidung im Gespräch mit dem Patienten gesehen werden. Die Argumente der Screening-Gegner lauten stets, dass durch PSA-Bestimmungen mehr Leid als Nutzen verursacht wird. Inkontinenz und Impotenz werden als Begründung dafür angeführt. Über die Morbidität und den damit verbundenen jahrelangen Leidensweg eines nicht rechtzeitig erkannten und kurativ behandelten Patienten wird nicht gesprochen. Unerträglich häufige Miktionsfrequenz, Miktionsstörungen bis zum Harnverhalt, interventionsbedürftige Blutungen, Inkontinenz und Schmerzen durch Einwachsen des Tumor in den Beckenboden, Hydronephrosen etc. begleiten den Patienten bis an sein Lebensende. Die Bedeutung einer sorgfältig gesteuerten Vorsorge darf nicht dazu führen, dass wir „PSA-Neurotiker“ erzeugen, die auf Grund von Halbwissen in eine völlige Unsicherheit verfallen.

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