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Foto: Univ. Wien
Prof. Mag. DDr. Christiane Spiel Vorstand des Instituts für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation an der Universität Wien
 
Standpunkte 2. Februar 2011

Quotenplätze für Quereinsteiger sind nötig

Grundsätzlich wollen wir jene für das Medizinstudium gewinnen, die dieses möglichst gut und schnell abschließen. Das ist auch in Ordnung so. Ich plädiere darüber hinaus aber für alternative Zugangsmöglichkeiten. So könnte es Quoten für Personen geben, die bereits in der Pflege oder in anderen Krankendiensten gearbeitet haben.

Wir benötigen dringend Ärzte und Ärztinnen mit hoher sozialer Kompetenz, die benachteiligte Personengruppen gut ansprechen und erreichen können. Das sind eher Personen, die den Spitalsalltag von der Seite der Pflege kennen oder in anderer Form mit Kranken gearbeitet haben. Im Studium müssen sie dann natürlich dasselbe leisten wie alle anderen, auch wenn es für sie möglicherweise mühsamer ist und länger dauert.

Zudem sehe ich bei den derzeit gängigen Massen-Testverfahren erheblichen Optimierungsbedarf, etwa bei der „prognostischen Validität“. So ist es heute fraglich, ob die Guten beim Aufnahmetest auch tatsächlich die Guten bei Studienabschluss sein werden. Das Abschneiden bei der „Summativen Integrierten Prüfung“ – oder SIP – nach einem Jahr ist ebenfalls ein Kriterium, denn bei diesem werden ähnliche Wissensinhalte wie beim Eingangstest abgefragt. Frauen schneiden bei Eingangstest und SIP schlechter ab als Männer.

Verlaufsanalysen haben jedoch gezeigt, dass im Verlauf des Studiums, wenn der Anwendungskontext stärker im Vordergrund steht, die Leistungsunterschiede verschwinden. Jedenfalls haben vor Einführung der Auswahlverfahren absolut mehr Frauen als Männer das Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen. Das legt die Vermutung nahe, dass – wie übrigens bei fast allen derartigen Verfahren – ein Teil der Bewerberinnen im Auswahlverfahren fälschlich ausgeschieden wird.

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