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Foto: ARGE Daten
Dr. Hans G. Zeger Obmann ARGE Daten, Mitglied des Datenschutzrates im Bundeskanzleramt
 
Standpunkte 25. Jänner 2011

Ärzte sind nicht grundsätzlich technikfeindlich

Ich glaube nicht, dass Ärzte generell computerscheu oder technikfeindlich sind. Die Diskussion darf nicht auf derartige Killerphrasen reduziert werden. Das Hauptproblem ist, dass eine Arzt-Patientenbeziehung keine übliche Geschäftsbeziehung ist und daher auch nicht die Instrumente, die in einem Unternehmen durchaus hilfreich sind, auf dieses Verhältnis umgelegt werden können. Das liegt darin begründet, dass die meisten Patienten nicht freiwillig zum Arzt gehen, sondern einen mehr oder weniger hohen Leidensdruck haben. Sie sind also keine Kunden im klassischen Sinn, keine Geschäftsfälle. Um Abhilfe für ein medizinisches Leiden zu schaffen, sind Computer nur am Rande geeignet. Wohl aber dazu, Termine zu koordinieren, die Abrechnung zu vereinfachen oder administrative Verwaltungstätigkeiten zu übernehmen. Und da gibt es sicher noch Aufholbedarf, was die Ausstattung so mancher Ordination betrifft.

Hinter ELGA steckt aber ein großes Datenbanksystem, dessen Idee die Verwaltung von Geschäftsprozessen ist. Ich verstehe schon, dass die Sozialversicherung möglichst viele Behandlungspfade vorgeben möchte, und wahrscheinlich ist das auch in 99 Prozent der Fälle für einen Patienten das Richtige. Aber es ist wohl bedenklich, dass damit die individuelle Therapie auch für das restliche eine Prozent einem Programmierer überlassen wird.

Gleichzeitig stellt sich damit auch die Frage der Haftung: Hat ein Arzt bei seiner Verschreibung alles erfüllt, was ELGA vorgibt, so ist er im Schadensfall gut abgesichert. Entscheidet er aber nach bestem Wissen und seiner Erfahrung als Mediziner und gegen den Vorschlag des Rot-Grün-Ampelschemas der Computervorgaben, hat er erhöhten Rechtfertigungsdruck, rasch wird daraus ein Haftungsfall. Das kann nicht Ziel einer hochqualitativen Gesundheitsversorgung sein.

Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 4 /2011

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