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Foto: Hausärzteverband
Dr. Wolfgang Geppert Vizepräsident des Österreichischen Hausärzteverbandes
 
Standpunkte 25. Jänner 2011

Es gibt Alternativen zum OnlineWahnsinn

Wir wehren uns gegen den Online-Wahnsinn, der nach der E-Card nun mit der E-Medikation seine Fortsetzung findet. Die E-Medikation ist primär eine Zusatzbürokratie. Für den Hausarzt ist es eine selbstverständliche Aufgabe, die Medikation, die der Patient aus dem Spital oder vom Facharzt mitbringt, zu koordinieren. In unseren EDV-Systemen sind längst entsprechende Programme implementiert, die schon jetzt die Unverträglichkeitsprüfungen machen.

In Österreich haben wir aber ein Gesundheitssystem, das nicht auf den Hausarzt zentriert ist. Jeder Patient kann ungehemmt KH-Ambulanzen und jede Zahl von Fachärzten aufsuchen. Es fehlt der zentrale Koordinator, eine Rolle, die der Hausarzt übernehmen sollte und die nicht durch ein Zusatzmodul in einem EDV-Programm ersetzt werden kann.

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass man sich ELGA ersparen kann, wenn der Hausarzt zum Zentrum der medizinischen Versorgung erhoben wird.

Die Gefahr der Doppel- oder Dreifachmedikation ist derzeit groß. Begünstigt wird das unter anderem durch die Tatsache, dass Generika in Österreich mit ihrer Bezeichnung oft keinen Rückschluss erlauben, welcher Wirkstoff darin enthalten ist. Bei der E-Medikation ist auch der Datenschutz in Gefahr, denn es gibt zahlreiche Verordnungen, die leicht auf die Grunderkrankung rückschließen lassen. Ob das jedem Patienten recht ist, bezweifle ich.

Ich bin überzeugt, dass aufgrund der Finanznöte ELGA in seiner geplanten Form keine Chance auf eine Verwirklichung hat. Es wäre ökonomisch sinnvoller, endlich alle Krankenanstalten in unsere bestehenden Befundnetze einzubinden. Ergänzend dazu könnten Patienten auch, so wie in einer Region Deutschlands praktiziert, ihre Befunde auf einem Datenstick mittragen.

Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 4 /2011

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