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Foto: prvat
Dr. Christian Husek Arzt für Allgemeinmedizin, Wien
 
Standpunkte 25. Jänner 2011

Ob der flächendeckende Roll-out steht, ist noch nicht fix

Ich bin kritischer Elektronikbefürworter. Dort, wo uns Ärzten und damit unseren Patienten neue Computertechnologien helfen können, sollen und müssen sie natürlich zum Einsatz kommen. Bisher haben uns aber viele der hochgepriesenen E-Health-Anwendungen, wie beispielsweise das ABS, letztendlich kaum Verbesserungen für die Patientenbetreuung, sondern nur hohe Kosten, viel Ärger und zusätzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand gebracht. Auch bei ELGA mit den ersten Teilprojekten E-Labor, E-Befund, E-Radiologie und E-Medikation fürchten wir ähnliche Effekte. Letztere steht gerade in den Startlöchern und wurde durch die geplante Onlineprüfung der Wechselwirkungen technisch sehr aufwändig konzipiert. In Hinkunft sollen so auch von anderen Ärzten verschriebene Medikamente und vom Apotheker abgegebene OTC-Produkte mit in die Wechselwirkungsprüfung einbezogen werden.

Ich glaube, dass es dabei aber vor allem auch um die Möglichkeit zur Kontrolle des ökonomischen Verschreibungsverhaltens schon „in statu nascendi“, also im Moment der Verschreibung, durch die Sozialversicherung geht. Diese Absicht wird aber sicher nie laut ausgesprochen werden. Grundsätzlich ist das Bekenntnis aller Stakeholder, also auch der Ärzte, zur E-Medikation und zum gerade beginnenden Pilotversuch da. Es muss aber noch die Finanzierung des gesamten Roll-outs geklärt werden. Wenn der Staat das System haben will, muss er auch die Kosten dafür übernehmen. Wir Ärzte werden diese nicht tragen!

Wenn uns Ärzten dann jede Medikamentenverschreibung durch die Onlineprüfung zusätzliche fünf oder zehn Sekunden Arbeitszeit kostet, wird das im Ordinationsalltag nicht praktikabel sein, denn auch hier gilt: Zeit ist Geld! Wenn aber die E-Medikation unsere Arbeit erleichtert, beschleunigt und verbessert, bin ich der Letzte, der sich dagegen wehren wird.

Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 4 /2011

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