zur Navigation zum Inhalt
Foto: BKA/Knie
Gabriele Heinisch-Hosek BM für Frauenangelegenheiten und Öffentlichen Dienst
 
Standpunkte 18. Jänner 2011

Kind ist kein Schadensfall

Schwangerschaftsabbrüche können in Österreich auch nach der zwölften Woche straffrei durchgeführt werden, wenn davon auszugehen ist, dass das Kind erhebliche schwere geistige oder körperliche Schädigung bei oder kurz nach der Geburt aufweisen wird. Wird der vorliegende Gesetzesentwurf Realität, dann nehmen wir die Ärzte aber genau an diesem Punkt aus ihrer Haftung. Es ist zu befürchten, dass die pränatalen Untersuchungen zurückgehen. Das wäre ein frauenpolitischer und auch gesundheitspolitischer Rückschritt, denn wir wollen ja nicht moderne medizinische Errungenschaften, die für Frauen und Kinder enorme Verbesserungen gebracht haben, wieder rückgängig machen. Mehr noch: Nach der geplanten Regelung wäre zu befürchten, dass die Qualität der Behandlung und Beratung eingeschränkt wird. Das sehen auch Ärzte selbst so. Der hohe Qualitätsanspruch in der Medizin muss aufrecht bleiben, und dafür brauchen wir auch das Instrument der Haftung. Werdende Eltern brechen die Entscheidung, einem behinderten Kind das Leben zu schenken, ganz bestimmt nicht übers Knie. Wenn sie aber der Auffassung sind, dass sie einem Leben mit einem behinderten Kind nicht gewachsen sind, so sollen sie nach wie vor die Chance haben, eine Entscheidung zu treffen. Das darf schon aus rein familien- und gesellschaftspolitischer Sicht nicht in Frage gestellt werden. Deswegen müssen werdende Eltern auch weiterhin darauf vertrauen können, bestmöglich informiert und beraten zu werden. Dass behinderte Kinder an sich kein Schaden sind, steht ganz selbstverständlich außer Streit – das hat auch der Oberste Gerichtshof in seinen diesbezüglichen Urteilen immer betont. Klar von dieser Frage des Schadenersatzrechts zu trennen ist das Thema, wie man Familien mit behinderten Kindern bestmöglich unterstützen kann. Hier hingegen geht es allein um die Folgen eines Fehlverhaltens der behandelnden Mediziner und es ist nicht einzusehen, warum hier eine Gruppe von Ärzten für nur einen sehr speziellen Fall aus der Haftung entlassen werden sollte.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben