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Foto: Privat
Prof. PD Dr. Guido Offermanns Gesundheitswissenschaftler, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
 
Standpunkte 11. Jänner 2011

Abkehr vom „Einzelkämpfertum“

Die gerade in gesundheitspolitischen Diskussionen oft zitierte „Kostenexplosion“ wird häufig missbraucht, um von den eigentlichen Problemen im Gesundheitssystem abzulenken, und lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Dennoch gibt es eine ständige kontraproduktive Kostensenkungsdebatte, zum Nachteil von Patienten und Leistungserbringern. Es besteht die große Gefahr, dass die „Monetik“ über ethische, soziale und professionelle Belange gestellt wird und betriebswirtschaftliche Steuerungsphantasien immer mehr Raum gewinnen. Ein erster Schritt zur Lösung dieses gordischen Knotens wäre die Stärkung des niedergelassenen Bereiches. Lediglich mehr finanzielle Mittel zu fordern, wird jedoch wenig Erfolg haben. Gefragt sind neue Versorgungsmodelle zum besseren Management der Behandlung, auch, weil die Patienten zunehmend Qualitätsnachweise und besseren Service der Leistungserbringer einfordern. Die neuen Herausforderungen durch zunehmend ältere und chronisch kranke Menschen fordern eine Abkehr vom Einzelkämpfertum. Folglich müssen sich Haus- und Fachärzte zukünftig in Gemeinschaftspraxen oder Versorgungsgemeinschaften zusammenschließen. Dies führt dann, wie Studien nachhaltig belegen, zur besseren internen Kostenkontrolle und besseren Ergebnissen in der Behandlung. Eine Verschiebung von Ausgaben zwischen den Versorgungssektoren unter dem Primat der Versorgungsqualität ist unausweichlich und könnte so besser argumentiert werden.

Entscheidend wird sein, dass sich die medizinische Profession das Heft des Handelns von der Politik nicht gänzlich aus der Hand nehmen lässt. Dies erfordert auch das Hinterfragen der eigenen Standespolitik sowie die Suche nach neuen Möglichkeiten der Patientenversorgung. Nur ein proaktives Handeln scheint hier erfolgversprechend, zum Beispiel durch die Initiierung von Pilotprojekten. Sonst besteht die Gefahr, dass die ökonomische Rationalität zunehmend die Geschicke des Gesundheitssystems bestimmt. Nur mutige Reformen, mit Fokus auf der Qualität der Versorgung, können den unbefriedigenden Status quo ablösen.

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