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Prof. Dr. Kurt Grünewald Gesundheits- und Wissenschaftssprecher der Grünen
 
Standpunkte 11. Jänner 2011

Horrorszenarien nur Schachzug

Apokalyptische Horrorszenarien über die Kostenexplosion halte ich für unangebracht und für einen politischen Schachzug, um alle in ein allgemeines, österreichweites Sparpaket zu zwingen.

Abgesehen davon, dass ein verantwortungsvoller, effizienter Umgang mit Steuergeldern und Versicherungsbeiträgen selbstverständlich sein sollte und durch eine etwas stärkere Bündelung von Kompetenzen und Verantwortung – gepaart mit einer klugen und weitsichtigen Gesundheitsreform – gewisse Sparpotenziale auszuloten sind, gibt es noch andere Aspekte.

In allen wohlhabenden Gesellschaften steigen die Gesundheitskosten mit dem Bruttoinlandsprodukt oder etwas stärker. Der Fortschritt der Medizin in Therapie und Diagnostik sollte nicht nur Reichen vorbehalten sein und steigende Lebenserwartung ist auch nicht wegzuleugnen. Das alles wird uns etwas kosten, wenn wir unserer Solidarsystem nicht verlassen wollen.

Gänzlich vernachlässigt wird, was vernünftige Investitionen ins Gesundheitssystem den PatientInnen und dem Staat für Renditen bringen: weniger Krankenstände, kürzere Krankheitsdauer, weniger Invaliditätspensionen und Pflegefälle. Unter diesem Aspekt sind auch steigende Medikamentenkosten auf ihre Rechtfertigung zu prüfen. Es scheint mir auch gelogen, wenn nun voreilig davon gesprochen wird, dass die Kassen schon so gut wie saniert wären.

Auch unser gutes Gesundheitssystem hat seine Versorgungslücken. Diese zu schließen, ist Sache von Fairness und Gerechtigkeit. Hier denke ich an die Mängel in der Rehabilitation, an Schwächen in der Kinderheilkunde und Psychiatrie, an Psychotherapie auf Krankenschein und das Gebiet von Palliativmedizin und Hospizen. Von Pflege ist hier noch gar nicht die Rede. Alternative Finanzierungsmodelle finden sich in zahlreichen Studien und müssen die Lohnnebenkosten nicht automatisch in die Höhe treiben. Die Politik muss endlich Farbe bekennen. Investitionen mit Verantwortung sind nicht etwas, das den Bach hinunterrinnt, sondern ein Beitrag zu einer gesünderen und leistungsfähigen Gesellschaft, die wir nicht spalten sollten.

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