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Foto: pcio
Dr. Franz Piribauer, MPH Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen der Antikorruptionsstelle Transparency International
 
Standpunkte 7. Dezember 2010

Transparenzmängel sind Einfallstore zur Korruption

Genau drei Jahre ist es her, als Transparency International – Austrian Chapter das erste Grundsatzpapier „Transparenzmängel im österreichischen Gesundheitswesen“ präsentierte. Besonders die Frage, ob sich Patienten mit Geld, Beziehungen oder anderen Mitteln eine bessere und schnellere Behandlung „erkaufen“ können, stand rasch im Zentrum der öffentlichen Diskussion und die Empörung der Bevölkerung war deutlich zu bemerken. Handlungsbedarf orteten einzelne Entscheidungsträger. Manche Standesvertreter vertraten damals die Meinung, dass es sich bei den aufgezeigten Transparenzmängeln lediglich um „bedauernswerte Einzelfälle“ handle. Das Gesundheitswesen gilt international als besonders anfälliges Gebiet für Betrug und Korruption. Das liegt einerseits an den enormen Geldmitteln, die weltweit darin umgesetzt werden, und andererseits an der Komplexität, dem hohen Grad an Intransparenz und der Vielzahl der Akteure, die in diesen Bereich involviert sind. Auch die Trennung zwischen Patienten, Leistungserbringern und auszahlenden Stellen macht das System anfälliger für Missbrauch auf Kosten Dritter. Systemische Zusammenhänge werden immer noch ignoriert, obwohl die Enttabuisierung des Themas „Korruption im Gesundheitswesen“ und die Schaffung eines Problembewusstseins durchaus gelungen sind. Erkennbar ist das unter anderem daran, dass die Korruptionsgesetzgebung verschärft wurde, der Kontrollamtsbericht aus Jänner 2010 beispielsweise dem Wiener KAV sichtbare Erfolge bei der Umsetzung von Anti-Korruptionsmaßnahmen attestierte oder sich eine Initiative unbestechlicher Ärzte unter www.mezis.at etablierte. Diese punktuellen Erfolge gilt es nun nachhaltig weiterzuentwickeln und in konkrete Maßnahmen, sowohl zur Prävention als auch zur Verfolgung von Korruption im Gesundheitswesen, umzusetzen. n

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