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Dr. Günther Loewit Arzt und Buchautor
 
Standpunkte 7. Dezember 2010

Zwei Klassen – eine Situation wie im Flugverkehr

Das Phänomen der Zwei-Klassen-Medizin ist nicht neu. Die, die mehr Geld hatten, konnten sich immer schon mehr leisten, sei es bei der Kirche mehr Ablass oder beim Arzt eine bessere Betreuung. Dann gab und gibt es auch eine andere Form der Zwei-Klassen-Medizin, nämlich die Ungleichheit zwischen entwickelten und unterentwickelten Ländern. Niemand wird bestreiten, dass die medizinische Versorgung in Europa eine andere ist als etwa in Afrika. All diesen Tatsachen zum Trotz bin ich als Arzt überzeugt, dass in Österreich jeder – unabhängig von Rang, Stand und Namen –, der akut eine medizinische Versorgung benötigt, einer sehr guten und hochwertigen Medizin begegnen wird. Ich beobachte außerdem, dass die, die viel Geld in die Hand nehmen, mitunter sogar schlechter medizinisch versorgt werden. Kaum jemand wird so viel untersucht, operiert und unter Fachärzten weitergereicht wie Privatversicherte! Überall dort, wo Geld überflüssig ist, wird auch Überflüssiges unternommen, um es auszugeben, daher ist die „Geldmedizin“ oder „Kuvertmedizin“ auch mit Vorsicht zu genießen. Ich behaupte, dass zwischen medizinischer Leistung im Kern und den Begleitumständen zu unterscheiden ist. Die Kernleistung und damit die Qualität der Versorgung muss unabhängig von der Leistbarkeit für alle gleich sein. Wer sich aber natürlich lieber ein Spitalsbett mit Hotelzimmeratmosphäre gönnen will, der soll dafür auch tiefer in die Tasche greifen müssen. Es gibt ja schließlich auch im Flugzeug die Business- und die Economy-Class. Alle Passagiere werden in der gleichen Zeitspanne und nach identer Wartezeit sicher von A nach B transportiert, nur haben die einen eben bequemere Sitze, ein besseres Essen oder gute Unterhaltung dabei. Genau so soll es auch in der Medizin sein. Sie muss für alle gleich menschenwürdig und qualitativ hochwertig sein, aber das Umfeld kann sich unterscheiden. n

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