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Dr. Ernest Pichlbauer Gesundheitsökonom, Health-Policy-International
 
Standpunkte 1. Dezember 2010

Systemkritik lässt hoffen

Es hat sich viel getan. Da kommt einerseits der Gesundheitsminister mit dem Vorschlag, die Spitäler unter einem Bundesgesetz zusammenzufügen. Aber nicht nur das, auch die Bezahlung soll verstärkt darauf ausgerichtet werden, welche Versorgungsqualität – also Ergebnisqualität – regional erreicht wird.

Dann kommt der Masterplan Gesundheit. Zugegeben, für einen Plan ist er dürftig, denn umsetzbar ist das, was da steht, noch nicht. Aber, und deswegen ist der „Plan“ zu begrüßen, er enthält eine von allen Kassen getragene Systemkritik, die sich nicht darauf beschränkt, sich selbst gut darzustellen und die Fehler bei anderen zu finden. Das lässt hoffen.

Verstärkt wird die Hoffnung dadurch, dass mit Ausnahme weniger – allen voran leider der Ärztekammer – die Kritik von fast allen Ländern, der Opposition und allen Experten geteilt und die Vorschläge des Ministeriums und des Hauptverbandes unterstützt werden.

Beide wollen bedarfsgerechte Spitäler. Viele Spitäler existieren nur, weil sie dem politischen Bedürfnis nach Macht gerecht werden müssen. Die Folge ist, dass eine abgestufte Versorgung bis dato unmöglich war. Bereits in einer Kritik der WHO aus dem Jahr 1969 wird festgehalten, dass unser System dazu tendiert, nur zwei Arten der Versorgung im kurativen Bereich zu kennen: die Einzelpraxis und das vollstationäre Spital. Zudem gäbe es zu viele zu kleine Spitäler und die Versorgung im Bereich Rehabilitation und Pflege sei unzureichend. Man sieht also, die Diskussion ist nicht neu. Aber das erste Mal wird sie ganz oben geführt. Dort wird nun offen festgehalten, dass eine moderne Versorgung sich nicht isoliert auf Kuration beschränken kann, also ohne Prävention, Rehabilitation und Pflege, und zudem zwischen Spital und Ordination unterschiedliche Versorgungsstufen angedacht werden können, die je nach regionalem Bedarf ausgestaltet sein sollten.

Klar ist, dass das, was jetzt vorliegt, noch keine Reform darstellt, aber die Fehler des Systems und damit das Ziel einer Reform sind jetzt nicht mehr durch Sonntagsreden wegzudiskutieren.

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