zur Navigation zum Inhalt
Foto: Österreichische Ärztekammer/Bernhard Noll
Dr. Harald Mayer Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann Angestellte Ärzte
 
Standpunkte 1. Dezember 2010

Konkrete Vorschläge vermisse ich

Wie internationale Benchmarks bestätigen, ist das österreichische Gesundheitssystem sehr gut, was nicht bedeutet, dass man Gutes nicht weiterentwickeln kann. Ob der Masterplan Gesundheit dazu imstande ist, sei dahingestellt. Zunächst zum Positiven: Langjährige Forderungen der Ärztekammer sowie der Bundeskurie Angestellte Ärzte werden aufgegriffen – ich möchte fast sagen: abgekupfert. Dazu zählt die Vereinheitlichung der Spitalsgesetzgebung, wie dies jüngst auch Minister Stöger forderte.

Allerdings ist der Masterplan ein „Meisterwerk“ an Unbestimmtheit mit einer Unzahl von schwammigen Begriffen, die auf den ersten Blick gut klingen, bei näherer Betrachtung aber inhaltsleer bleiben.

So erhebt der Hauptverband die Forderung nach regionalen Gesundheitszentren, welche die traditionellen Spitäler ablösen sollen. Konkrete Vorschläge, wie diese Gesundheitszentren aussehen sollen, vermisse ich. Es ist von Zielen die Rede, ohne diese näher zu definieren, es wird wie schon so oft von der bedarfsorientierten Umwandlung von Akut- in Pflegebetten gesprochen. Auch hier fehlen detaillierte Erklärungen, sodass am Ende nur Worthülsen übrig bleiben. Das Ziel ist überwiegenden ökonomisch konnotiert, was nicht der zentrale Inhalt eines sozialen Gesundheitswesens sein kann. Hat doch die Hilfsbedürftigkeit von Patienten im Vordergrund zu stehen und nicht die Gesundheit als Produkt eines unter ökonomischen Bedingungen funktionierenden Wirtschaftsprozesses. Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit sind auf Empathie, Zuwendung und hochqualifizierte Behandlung angewiesen. Das ist Voraussetzung und Ziel eines sozialen Gesundheitssystems und Grundlage unserer ärztlichen Tätigkeit.

Es ist rührend, dass sich der Hauptverband um die Spitäler sorgt. Ich denke aber, dass es Baustellen gibt, die eher in seine Kompetenz fallen – Stichwort Gruppenpraxen zur Entlastung der Spitäler und der Spitalsärzteschaft. Denn an belastenden Arbeitszeiten, überlaufenen Ambulanzen und Überfrachtung mit administrativen Aufgaben ändert auch dieser Masterplan nichts.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben