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Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger Vorstand des Instituts für med. Genetik, MedUni Wien
 
Standpunkte 2. November 2010

Vonseiten der Politik besteht Handlungsbedarf

In den letzten Jahren hat sich der Stellenwert der Thematik „Ethik in der Humanmedizin“ in Österreich verbessert. An der Medizinischen Universität Wien etwa wurde im neuen Lehrplan für Studierende eine Reihe von Vorlesungen über Ethik in der Medizin inkludiert. Angehende Ärztinnen und Ärzte werden so gleich von Beginn an in diese wichtige Materie eingeführt.

Es gibt nun auch schon seit einigen Jahren die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt, welche die Regierung berät. Hier orte ich aber vor allem vonseiten der Politik noch einen gewissen Handlungsbedarf. Um es an konkreten Beispielen zu verdeutlichen: In den Bereichen „Präimplantationsdiagnostik“ und „Stammzellforschung“ existieren in Österreich gesetzliche Beschränkungen, die bereits Gegenstand intensiver Diskussion und Bearbeitung in der österreichischen Bioethikkommission waren. Betreffend der Präimplantationsdiagnostik wurde bereits im Juli 2004 eine Empfehlung der Kommission verabschiedet, wonach deren uneingeschränkte Zulassung keinesfalls befürwortet werden sollte, andererseits aber auch ein Totalverbot der Präimplantationsdiagnostik nach Ansicht der Kommission weder ethisch noch rechtlich gerechtfertigt sei.

Bei der Stellungnahme zur Forschung an humanen embryonalen Stammzellen im März 2009 konnte sich die Kommission zwar auf keine einstimmige Empfehlung verständigen, die überwiegende Mehrheit der Mitglieder empfahl jedoch, die Forschung an humanen embryonalen Stammzellen als wissenschaftlich relevant, moralisch grundsätzlich legitim und daher förderungswürdig einzustufen. Reaktionen der Politik auf diese Empfehlungen sind bis heute ausgeblieben. Gerade solch eine Interaktion bzw. Reaktion der Politik würde aber den Sinn der Bioethikkommission erst unterstreichen.

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