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Prof. Dr. Herbert Lochs Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck
 
Standpunkte 2. November 2010

Ärzte müssen im Bezug auf ihre Fähigkeiten top sein

Mit Kranken, nicht mit Krankheiten hat es die Klinik zu tun.“ Dieser Satz von Hermann Nothnagel zeigt, dass der Konflikt alt ist zwischen dem hoch spezialisierten Fachmann und dem zugewandten Menschen im Arzt. Je mehr Fachwissen und Können wir haben, desto schwerer ist der Konflikt zu überbrücken. Der Patient will immer von dem behandelt werden, der über seine Krankheit am besten Bescheid weiß und auch die Behandlung am besten beherrscht, aber gleichzeitig auch von dem, der ihn am besten versteht.

Es ist unsere Pflicht als Ärzte, fachlich – im Bezug auf Wissen und Fähigkeiten – top zu sein. Das unterscheidet den Arzt vom Scharlatan. Aber gleichzeitig müssen wir das alles dem Wunsch des Patienten unterordnen, anbieten statt aufdrängen, begleiten statt bestimmen. Diese Kombination ist der Kern medizinischer Ethik. Grenzen entstehen dort, wo eigene ethische Grundprinzipien verletzt würden. Es gibt also durchaus Forderungen, die der Arzt ablehnen kann und soll.

Ethik und Kommunikation sollten noch stärker im Studium, aber auch in der Facharztausbildung verankert werden. Das Problem beginnt bereits bei der Anamnese: Wie erfahre ich, was den Patienten wirklich bedrückt? Wie eröffne ich das Gespräch? Wie stelle ich kritische Fragen, die Tabuthemen betreffen? Wenn bei der Visite nur mehr die Befunde diskutiert werden und der Patient nicht mehr ins Gespräch einbezogen, ja oft nicht einmal mehr angesehen wird, läuft etwas falsch. Man muss sehen, ob das Aussehen des Patienten zu den Befunden „passt“.

Der Patient muss in die Entscheidungen einbezogen sein, er muss Zeit für die Entscheidung haben. In Berlin hatten wir dazu Schauspieler als Patienten, das war sehr hilfreich. Es wäre außerdem sehr hilfreich, das Gespräch im Honorierungssystem besser zu verankern.

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