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Prof. Dr. Dr. hc Ulrich Körtner Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin
 
Standpunkte 2. November 2010

Patienten vor vermeintlichen Fehlentscheidungen schützen

Salus aegroti suprema lex – Das Wohl des Kranken ist oberstes Gebot. So lautet die klassische Maxime des ärztlichen Ethos. Heute steht freilich das Selbstbestimmungsrecht des Patienten im Vordergrund. Zwar ist der Arzt auch weiterhin dem Wohl des Patienten verpflichtet, doch soll er sich nicht anmaßen, besser als der Patient zu wissen, was für ihn gut ist. Er soll aufklären und beraten, aber nicht bevormunden – keine Diagnose oder Therapie ohne informierte Einwilligung des Patienten.

Noch immer gibt es Ärzte, die ihre Fachkompetenz durch diese modernen Grundsätze in Frage gestellt sehen, wie eine Untersuchung des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien zum österreichischen Patientenverfügungsgesetz zeigt. Zwar wollen auch diese Ärzte den Patienten, soweit es geht, in ihre Entscheidungen einbinden, sich aber das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen. Schließlich verstehen sie sich als die Instanz, die im Krankheitsfall letztverantwortlich zu entscheiden haben. Zu seinem eigenen Besten wollen sie den Patienten vor vermeintlichen Fehlentscheidungen schützen. Mehr oder weniger subtil versuchen sie, den Patienten in die vom Arzt gewünschte Richtung zu lenken. Viele Ärzte sehen das inzwischen erfreulicherweise anders. Auch sie setzen sich für den Schutz des Lebens ein, messen aber der Lebensqualität des Patienten größere Bedeutung bei.

Woran es in der Praxis oft mangelt, ist Zeit für das Gespräch mit dem Patienten und kommunikative Kompetenz. In dieser Hinsicht ist die medizinische Ausbildung verbesserungsbedürftig. Wer ernsthaft auf die Wünsche und Bedürfnisse von Patienten eingehen will, braucht eine fundierte ethische Kompetenz. Nur dann können Ärzte auch mit Konflikten umgehen, die möglicherweise zwischen den Werthaltungen des Patienten und des Arztes bestehen.

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