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Foto: Privat
Stefan Konrad Vorsitzender der Universitätsvertretung und Mitglied des akademischen Senats an der Medizinischen Universität Wien, Studienvertreter Humanmedizin
 
Standpunkte 19. Oktober 2010

Aufkochende Proteste sind nicht verwunderlich

Die derzeitigen Vorgänge rund um die Finanzierung der Universitäten sind in aller Munde. Auch die Medizinischen Universitäten sind davon nicht ausgenommen, selbst wenn die universitäre Medizin in vielerlei Hinsicht nicht mit anderen Hochschulen verglichen werden kann. Die Beschränkungen der medizinischen Grundstudien Human- und Zahnmedizin sind für die MedUnis ein Segen. Durch die neuen, praxisorientierten und auf Kleingruppen und damit individueller Betreuung basierenden Curricula ist eine qualitative Ausbildung mehrerer Tausend Studienwerber schlicht unmöglich. Nur durch die geregelte Aufnahme einer definierten Anzahl Studierender können die zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal eingesetzt werden.

Durch das enge Bedside Teaching erfordert das Curriculum jedoch einen hohen Personalbedarf an qualifizierten Ärzten und Dozenten, der nur durch zusätzliche finanzielle Mittel seitens des Bundes realisiert werden kann. Wissenschaftliche Mitarbeiter der MedUnis müssen neben Forschung und Lehre auch noch ihrer klinischen Tätigkeit nachgehen, was sie von ihren Kollegen an anderen Universitäten unterscheidet. Nicht umsonst machen die Personalkosten über 80 % des Budgets der MedUni Wien aus.

Das derzeitige Verhalten der politischen Entscheidungsträger führt in eine fatale Richtung für die Universitäten. Dies betrifft sowohl den fehlenden Willen, zusätzliche und dringend benötigte finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, als auch die fehlende Bereitschaft der SPÖ, über einen geregelten Zugang an allen Universitäten ernsthaft zu diskutieren. Wenn sich eine sonst eher konservativ agierende Rektorenkonferenz dazu entscheidet, an allen Universitäten Vollversammlungen abzuhalten, muss das zu denken geben. Und man darf sich nicht wundern, dass die letztjährigen Proteste wieder aufkochen.

Die anderen Standpunkte zum Thema

"Frisches Geld ist ab dem Jahr 2013 möglich" - Dr. Beatrix Karl, Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung

"Mehr Geld für die doppelte Aufgabe" - Prof. Dr. Josef Smolle
Rektor der Medizinischen Universität Graz


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