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Foto: Privat
Renate Großbichler-Ulrich Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums
 
Standpunkte 5. Oktober 2010

Alle Beteiligten müssen die Probleme klar auf den Tisch legen

In Österreich gibt es derzeit 1.850 Hebammen. Der Mangel an Geburtshelferinnen kommt durch die Nachwehen einer österreichweit wenig koordinierten Ausbildung zustande. Vor Einführung der Fachhochschulen wurden nur alle drei Jahre neue Ausbildungslehrgänge begonnen, daher gab es in manchen Jahren zu wenige fertige Hebammen, in anderen zu viele. Mittlerweile wurde diese Situation behoben und die Lage wird sich in ein bis zwei Jahren völlig entspannt haben. Zudem ist der Berufsstand enorm attraktiv, sodass wir immer mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze haben. Auch der KAV hat letztes Jahr auf einen Personalmangel rasch reagiert und einen zusätzlichen Ausbildungsjahrgang gestartet.

So attraktiv der Beruf ist, so problematisch ist allerdings die Gehaltsstruktur. Die Besoldung ist Landesthema, daher werden angestellte Hebammen österreichweit durchaus sehr unterschiedlich bezahlt. Tatsache ist, dass in Wien die Gehälter eklatant unterhalb derer von Niederösterreich liegen, sodass es schwierig ist, die Wiener Absolventinnen im Land zu halten. Verhandlungen, um diese Situation zu ändern, sind aber bereits im Gange. Ich weiß derzeit von keinem anderen Krankenhaus in Österreich, dass es dort ähnliche problematische Zustände wie im Wiener AKH gibt. Es läuft sicher auch nicht überall reibungslos, aber die Lösungen sehen anders aus und können auf das AKH nicht einfach übertragen werden. Hier müsste man schon das Haus neu erfinden.

Bevor jedoch noch mehr solche Situationen auftreten, ist es für den Berufsstand der Hebammen insgesamt wichtig, dass sich alle Beteiligten zusammensetzen und die Probleme klar auf den Tisch legen. Das Ziel muss ein gangbarer Weg für alle sein, denn das Miteinander zwischen Ärzten und Hebammen ist ein wichtiger Punkt in unserem Beruf, und erst recht in einem Perinatalzentrum.

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