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Foto: Felicitas Matern
Mag. Wolfgang Sobotka Landeshauptmann-Stellvertreter von Niederösterreich, zuständig für die NÖ Landeskliniken
 
Standpunkte 8. September 2010

Persönliche Betreuung

Die Diskussion um die Schließung kleiner Spitäler zeigt wie kaum eine andere, dass sehr viele, die mitreden, sehr wenig Ahnung haben, worüber sie reden, geschweige denn ein fundiertes Wissen. In Niederösterreich leben pro km2 84 Einwohner – zum Vergleich: Wien hat 4.110 Einwohner je km2 –, aber trotz der Größe des Landes erreicht jeder Niederösterreicher innerhalb von 30 Minuten das nächste Landesklinikum, wie es das Gesetz vorgibt. Niederösterreich hat einen abgestuften Versorgungsplan mit 22 Akutkliniken, drei Spezialkliniken und zwei dislozierten Standorten. Jedes Landesklinikum entwickelt sein eigenes Profil im Rahmen des Versorgungsauftrags und des Regionalen Strukturplans Gesundheit. Jedes Haus ist ein wichtiger Faktor für die jeweilige Region und ihre Menschen. Würden wir alle Häuser unter 300 Betten schließen, hätte das drastische Konsequenzen für unsere Bevölkerung: Deutlich mehr Menschen müssten täglich spürbar länger zur Arbeit fahren, ganz zu schweigen von den Millionen an zusätzlichen Kilometern, die Besucher, Rettungs- und Notarztwägen zurücklegen würden. Ein weiteres wichtiges Argument ist die wirtschaftliche Bedeutung der Kliniken für die jeweiligen Regionen. Nehmen wir die Region Mostviertel mit ihren vier Akutkliniken: 2.477 Mitarbeiter, zu 89 Prozent aus der Region. Jährliche Investitionen: 91,8 Millionen Euro, 64 Prozent davon bleiben in der Region. Rechnet man die indirekten und sekundären Auswirkungen auf die Zulieferer mit, sprechen wir von einer Bruttowertschöpfung von knapp 209 Mio. Euro und etwa 4.800 Arbeitsplätzen insgesamt. Würde man die drei Standorte unter 300 Betten schließen, ließen sich für das Mostviertel nie und nimmer diese Zahlen erreichen.

Eines noch: Kleine Spitäler erfüllen die Bedürfnisse der Menschen nach persönlicher Betreuung besonders gut, das zeigen unsere Patientenbefragungen. Gerade kleine Kliniken bekommen da die höchsten Zufriedenheitswerte. Und genau darum muss es uns – bei aller Notwendigkeit effizienten Wirtschaftens – gehen.

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