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Foto: Wilke
Dr. Claudia Wild Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment (HTA)
 
Standpunkte 1. September 2010

Bildung hilft! Mündige Patienten sind gefragt

Es ist zu beobachten, dass manche Dinge im Gesundheitswesen „ausfransen“, wenn zum Beispiel jetzt ernsthaft darüber diskutiert wird, das „ADHS-Syndrom“ bei Erwachsenen zu therapieren. Statt auf Ursachenforschung einzugehen, werden Medikamente verschrieben. Die Verantwortung wird bei kleineren Beschwerden, aber auch bei natürlichen Lebensprozessen rasch den Ärzten übergeben. Bei den „End-of-Life“-Maßnahmen steht man immer wieder vor der Frage, ob man immer Hoffnung schüren soll, was verhindert, dass sich die Menschen mental auf das Sterben einstellen können. Auch den Wechsel bei der Frau könnte man als eine erfundene Krankheit bezeichnen, schließlich ist die Umstellung des Körpers ein natürlicher Vorgang.

Das Marketing der Pharmafirmen wurde in den letzten Jahren massiv verstärkt, Innovation nur mehr als Scheinargument benutzt. Letztlich geht es darum, die Grenzen auszuweiten und neue Märkte zu gewinnen. Bildung kann sicher helfen, ein mündiger Patient zu werden. „Health Literacy“ – verstanden als wissensbasierte Kompetenz für eine gesundheitsförderliche Lebensführung – hängt nicht nur vom Gesundheitswesen, sondern auch von Bildung, Kultur und Gesellschaft ab. Der verantwortungsvolle Umgang mit der eigenen Gesundheit setzt eine kritische Verarbeitung von Informationen über Gesundheitsmaßnahmen voraus. Leider klafft die Welt auseinander in Arm und Reich, maximal 20 Prozent der Bevölkerung könnte man wirklich als gebildet bezeichnen.

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