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Foto: Privat
Dr. Hans Morschitzky Klinischer Psychologe und Psychotherapeut, Linz Autor des Buches Angst vor Krankheit (Kreuz-Verlag)
 
Standpunkte 1. September 2010

Kassen zahlen nur, wenn es auch Diagnosen gibt

Zweifellos werden psychische Krankheiten immer mehr, mit jeder neuen Klassifizierung kommt es auch zu einer Ausdifferenzierung von Krankheiten wie den Angstneurosen oder den Phobien. Es hat immer Menschen gegeben, die mit schweren traumatischen Erlebnissen konfrontiert waren, doch die „Posttraumatische Belastungsstörung“ ist eine „junge“ Krankheit.

Diagnosen kommen und gehen, früher gab es die Angst mit der Eisenbahn zu fahren, heute eben AIDS-Phobie oder Computersucht. Neue Phänomene führen zu neuen Diagnosen, aber nicht alles ist auch wirklich eine Krankheit.

Die Gesellschaft hat ein Interesse daran, Störungen zu identifizieren, damit sie einer Behandlung zugeführt werden können. Ein Hypochonder etwa schädigt nicht nur sich selbst, sondern durch seine permanenten Arztkonsultationen das ganze Sozialsystem. Diagnosen haben eine wichtige Funktion, denn Krankenkassen zahlen nur, wenn es auch eine Diagnose gibt.

Anhand der „Panikstörung“ konnte man gut sehen, wie Krankheiten „gemacht“ werden. Der Begriff tauchte das erste Mal Ende der 70er-Jahre auf und wurde nachweislich von einer Pharmafirma gepusht, die das entsprechende Heilmittel bereits in der Tasche hatte. Zurzeit konzentriert man sich auf die große Gruppe der „Sozialphobien“, die man gerne mit Antidepressiva behandeln möchte. Schließlich gibt es immer noch genug Menschen, die lieber ein „Pulverl“ schlucken, als eine Psychotherapie zu beginnen.

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