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Foto: Foto Wilke
Ursula Frohner Präsidentin des österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes
 
Standpunkte 17. August 2010

Einheitliche Einstufungskriterien

Nach den Bestimmungen des Bundespflegegeldgesetzes soll das Pflegegeld ein selbstbestimmtes und nach den persönlichen Bedürfnissen orientiertes Leben der pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen ermöglichen und dieses je nach pflegebedingtem Mehraufwand pauschal abgelten. Das ärztliche Gutachten ist ohne Zweifel die notwendige Basis der Pflegegeldeinstufung. Die Erhebung und Einschätzung des Pflegebedarfs und somit die Beurteilung des pflegebedingten Mehraufwandes ist jedoch eine Kernkompetenz der Fachpflege, also von Angehörigen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege.

Pflegefachkräfte setzen dafür bewährte Assessmentinstrumente und Einschätzungsskalen – unter anderem in den Bereichen Demenz, Bewegung, Schmerz, Sturz, Dekubitus, geriatrisches Screening und Atmung – ein. Ihre Aufgabe ist es, die individuelle Situation von pflegebedürftigen Menschen in ihrem sozialen Umfeld und die konkrete Pflegesituation, beispielsweise wie oft jemand umzulagern ist, zu erfassen. Ebenso bieten Pflegeexperten praxisnahe Lösungen für Pflegeprobleme an. Für all diese Expertisen und Tätigkeiten sind Ärzte nicht entsprechend ausgebildet.

Darüber hinaus ist es wichtig und wünschenswert, das große Potenzial der Fachpflege hinsichtlich einer kompetenten Beratung von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen zu nutzen, wie etwa bei der gezielten Anwendung von Pflegehilfsmitteln oder bei der Gestaltung einer barrierefreien Umgebung im Rahmen der Sturzprophylaxe.

Dass die momentan in Österreich praktizierte Vorgehensweise bei der Feststellung des Pflege- und Betreuungsbedarfs und damit bei der Pflegegeldeinstufung den Anforderungen und Bedürfnissen der Betroffenen nicht entspricht, zeigt unter anderem die hohe Anzahl der Einsprüche bzw. Klagen gegen die Einstufungen beim Arbeits- und Sozialgericht deutlich. Dringend notwendig sind daher bundesweit einheitliche Einstufungskriterien sowie eine Entbürokratisierung des Einstufungsprozederes. Generell ist die verbindliche Einbeziehung der Fachpflege im Sinne der Pflegebedürftigen anzustreben.

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