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Hon. Prof. Dr. Konrad Brustbauer Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwalt
 
Standpunkte 17. August 2010

Ein wichtiger Schritt

Die Feststellung des Pflege- und Betreuungsbedarfes ist eine komplexe Angelegenheit. Medizin, Pflege, aber auch Betreuung spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Grenzen zwischen diesen Bereichen sind fließend, besonders zwischen Medizin und Pflege. Ein Team aus einem Mediziner und einer diplomierten Pflegefachkraft ist ein wichtiger Schritt, denn die pflegefachliche Beurteilung kann die ärztliche Beurteilung durchaus gut abrunden. Wie viel Pflege und Betreuung wirklich im konkreten Einzelfall aufzuwenden sind und welche Zeit dafür zu veranschlagen ist, liegt wohl nicht in der Kernkompetenz der Medizin. Dazu bedarf es auch praktischer Erfahrungen bei der Erbringung und Organisation solcher Leistungen, worauf diplomiertes Pflegepersonal spezialisiert ist.

Wesentlich wird aber sein, dass die Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Begutachtung funktioniert und sich nicht einer der beiden Teile des kleinen Gutachterteams als „Obergutachter“ fühlt, denn herauskommen soll am Ende eine gut auf den persönlichen Bedarf der jeweiligen pflege- oder betreuungsbedürftigen Person abgestimmte fachübergreifende Teambeurteilung.

Noch einen Vorteil hat die Begutachtung durch das Team: Sie ist zweifellos hinsichtlich der Schlussfolgerungen „bestandskräftiger“, denn eine gemeinsame Beurteilung zweier Fachkräfte hat doch eine noch wesentlich stärkere Vermutung der Richtigkeit für sich als ein Einzelgutachten. Es ist zu hoffen, dass damit auch so manches Gerichtsverfahren vor dem Arbeits- und Sozialgericht hinsichtlich der Zuerkennung, Einstufung bzw. Neueinstufung oder auch Aberkennung des Pflegegeldes vermieden werden kann. Mittel, die beim Verwaltungsaufwand gespart werden, können in den Leistungstopf fließen und kommen so den betroffenen Patienten zugute.

Und da komme ich abschließend noch zu einem wichtigen Punkt: Allfällige Zusatzkosten, die sich aus der nunmehrigen Teambegutachtung ergeben, dürfen keinesfalls zulasten der Pflege- und Betreuungsbedürftigen gehen. Sie dürfen also nicht aus jenem Topf entnommen werden, aus dem das Pflegegeld finanziert wird.

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