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Foto: Österreichische Ärztekammer/Bernhard Noll
Dr. Reiner Brettenthaler Geschäftsführender Leiter des Internationalen Büros der Österreichischen Ärztekammer
 
Standpunkte 15. Juni 2010

Ein übermäßiger Zustrom ist nicht zu erwarten

Kein vernünftiger Arzt wird jemals eine Behandlung eines nicht in Österreich gemeldeten und versicherten Patienten ablehnen, aber die Information über die Möglichkeiten und Bedingungen einer grenzüberschreitenden Behandlung und die Kostenübernahme durch ihr Heimatland war bei vielen Patienten bisher unzureichend vorhanden. Viele deutsche Bürger haben beispielsweise bisher oft schon bar bezahlt, weil sie diese Abrechnungsform aus ihrem Heimatstaat kennen und dort meist privat versichert sind. Ihre europäische Versicherungskarte und ein Ausweis hätte aber auch ausgereichet.

Alle Staaten müssen aufgrund der Neuregelung jetzt zentrale Kontaktstellen einrichten, die international vernetzt sind. Hier könnten sich Patienten über Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Ein wesentlicher Punkt ist, dass auch die in einem anderen EU-Staat ausgestellten Arzneimittelverschreibungen grundsätzlich anzuerkennen sind, wenn das betreffende Arzneimittel im Behandlungsstaat zugelassen ist. Die gegenseitige Anerkennung von Verschreibungen hat keine Auswirkungen auf Dispensierrecht, Generikasubstitution und Rückerstattungsregeln.

Grundsätzlich bringt die Einigung der EU-Gesundheitsminister auf eine gemeinsame Richtlinie nicht die großen Neuerungen, jedoch Erleichterungen in der Abwicklung und eine wesentliche Rechtssicherheit für betroffene Patienten. Insgesamt wird die Patientenmobilität mit der neuen Richtlinie vereinfacht.

Einen übermäßigen Gesundheitstourismus erwarte ich nicht, obwohl Patienten aus Ländern mit einer schlechteren Versorgung oder langen Wartezeiten sich jetzt mitunter gezielt für eine Behandlung in einem anderen EU-Land entscheiden könnten.

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