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Dr. Sigrid Pilz
Dr. Sigrid Pilz Wiener Gemeinderätin, Gesundheitssprecherin Die Grünen Wien, Mitglied des Bundesvorstandes Die Grünen
 
Standpunkte 8. Juni 2010

Falsche Signale an nicht-ärztliche Berufsgruppen

Alle Ressorts müssen sparen. Es gibt viele Bereiche, in denen dies effektiv und sinnvoll gemacht werden kann. Ob aber dieses Ziel mit Hilfe einer Umstrukturierung der Geschäftseinteilung im Gesundheitsministerium erreicht werden kann, ist mehr als fraglich. Andererseits sind sich Experten einig, dass die weitreichenden organisatorischen Änderungen in diesem Haus kaum Einsparungen bewirken werden.

Eine der hauptbetroffenen Abteilungen, die seit fast zehn Jahren besteht, ist die Fachabteilung Nichtärztliche Gesundheitsberufe (III/B/4). Diese wird aufgelöst und nahezu gänzlich in die Rechtsabteilung eingegliedert. Ob es sinnvoll ist, dass Juristen ab 1. Juli über nichtärztliche Gesundheitsberufe befinden, sollte dringend diskutiert werden. Es geht konkret um Pflege- und Betreuungsberufe, Sanitätshilfsdienste, Ordinationsgehilfen etc. Nicht nur das bekannterweise geringe Prestige dieser Berufe, sondern auch die schlechte Bezahlung und die schwierigen Arbeitszeiten führen bereits zu einem massiven Mangel an diplomierten Pflegekräften in Österreich. Schon heute kann der Bedarf an qualifiziertem und motiviertem (Fach-)Personal in der mobilen Pflege und Betreuung sowie in vielen stationären Langzeitpflegeeinrichtungen nicht mehr gedeckt werden; geschätzte 7.000 Fachkräfte fehlen.

Die demographische Entwicklung wird zu einem wachsenden Bedarf an Pflege- und Betreuungskräften, also nichtärztlichem Personal, führen. Die zuständige Fachabteilung aufzulösen, zeugt nicht gerade davon, dass die Probleme erkannt werden. Nach außen wirkt die Umstrukturierung jedenfalls willkürlich und ökonomisch nicht sinnvoll. Laut Angaben des Büros von Minister Stöger geht es bei der Umstrukturierung vor allem um eine „sinnvolle Zusammenführung von Agenden und Strukturierung von Abteilungen“. Es stellt sich die Frage, wie bisher gearbeitet wurde.

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