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Standpunkte 25. Mai 2010

Keine Entwarnung durch Interphone-Studie.

Im Rahmen einer sogenannten Fall-Kontroll-Studie wurden 5.117 Patienten mit gut- und bösartigen Hirntumoren und 5.634 gesunde Kontrollpersonen untersucht. Es zeigte sich, wie erwartet, dass bei Berücksichtigung jeder regelmäßigen Handynutzung das Risiko nicht höher ist. Das kann auch gar nicht sein, weil die durchschnittliche Dauer der Handynutzung nur ca. fünf Jahre betrug. Die Entwicklung eines solchen Tumors braucht aber im Durchschnitt 15 bis 30 Jahre.

Wenn tatsächlich ein Risiko besteht, dann kann man es derzeit nur bei den intensiven und langdauernden Nutzungen finden. Insbesondere bei denen, die das Handy an der Kopfseite der Tumorentwicklung benutzt haben. Genau das hat man gefunden.

Ein Überblick der bisher vorliegenden Untersuchungen zeigte schon vor der Veröffentlichung der Gesamtergebnisse der Interphone-Studie ein erhöhtes Risiko durch Langzeitnutzung. Für bösartige Hirntumore und auch für Akustikusneurinome. Diese Befunde werden durch die neue Veröffentlichung stark unterstützt.

Auch die „Bioinitiative Working Group“, eine Gruppe von kritischen Wissenschaftlern aus Europa und den USA, weist in ihrer Aussendung darauf hin, dass diese Ergebnisse zur Vorsorge mahnen. Es sollte auch zu denken geben, dass es rund vier Jahre gedauert hat, bis sich die beteiligten Zentren auf einen Text geeinigt haben. Die orakelhafte Formulierung kann man am besten zusammenfassen mit: Ja, wir haben etwas gefunden, aber wir wissen nicht, was. Eine mehr an der Vorsorge orientierte Interpretation hätte von einer WHO-Organisation vorausgesetzt werden können. Diese große Studie zeigt einmal mehr, wie wichtig eine frühzeitige Warnung vor Gesundheitsrisiken ist, wie wir sie im Fall der Mobiltelefonie bereits vor mehr als 10 Jahren ausgesprochen haben. Mittlerweile rät auch der Oberste Sanitätsrat zu einem vorsichtigen Umgang mit dem Handy.

„Ein erhöhtes Risiko für bösartige Gehirntumore bei längerem Handytelefonieren wurde gefunden.“ OA DI Dr. Hans-Peter Hutter Institut für Umwelthygiene an der MedUni Wien, Vorsitzender und Sprecher des Vereins ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt

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