zur Navigation zum Inhalt
Foto: MedUni Wien
Prof. Dr. Peter Pietschmann Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie
 
Standpunkte 11. Mai 2010

Eine alternde Gesellschaft braucht „ihre“ Ärzte.

Die Geriatrie beschäftigt sich mit Fragen der Gesundheit des immer größer werdenden Anteils an älteren und hochbetagten Menschen. Die Komplexität der gesundheitlichen und sozialen Probleme, für die diese Bevölkerungsgruppe ein besonders hohes Risiko aufweist, verlangt spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten, die nur im Rahmen einer fundierten Ausbildung vermittelt werden können.

Zum derzeitigen Zeitpunkt sind Geriatrie und Gerontologie in den Lehrzielkatalogen unterschiedlicher Disziplinen integriert, eine strukturierte Ausbildung in diesen Fachgebieten findet aber nicht statt. Die Ärztekammer bietet ein Fortbildungsdiplom an und es gibt auf internationaler Ebene auch Angebote, aber wir können nicht erwarten, dass alle heimischen Ärzte zur Ausbildung ins Ausland pilgern.

Wir fordern keinen eigenen Facharzt, aber ein Additivfach für Geriatrie, das auf den Kernfächern der Allgemeinmedizin, der Inneren Medizin, der Neurologie, der Psychiatrie und der Physikalischen Medizin aufbauen kann. Diesbezügliche Ausbildungsprogramme liegen bereits ausgearbeitet vor.

Derzeit werden ältere und hochbetagte Menschen überwiegend von eben diesen Ärzten betreut. Das reicht aus meiner Sicht aber nicht aus, denn das wesentliche Charakteristikum dieser Patientengruppe ist die Multimorbidität.

Die Widerstände kamen gar nicht so sehr vonseiten der Gesundheitspolitik, sondern viel eher aus den eigenen Reihen. Es gab innerhalb der Ärzteschaft Gegner, da manche eine Verschiebung des Patientenflusses weg von ihren Stationen bzw. Ordinationen und hin zu Geriatern befürchten. Diese Widerstände konnten in Kooperation mit der Ärztekammer beigelegt werden; zuletzt fürchteten die Krankenhausträger eine finanzielle Mehrbelastung durch zusätzliche Ausbildungsstrukturen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben