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Foto: IFF
Prof. Dr. Katharina Heimerl Palliative Care und OrganisationsEthik, IFF Wien, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
 
Standpunkte 11. Mai 2010

Interdisziplinäre Arbeit ist erforderlich.

Ein wesentlicher Forschungsschwerpunkt an unserer Abteilung und auch ein zentrales Anliegen der Geriatrie sind Fragen der Kommunikation mit Menschen mit Demenz. Wir haben in einer systematischen Review Evidenz gefunden, dass das Wohlbefinden der Betroffenen deutlich steigt, wenn die Betreuenden (Pflegende, ÄrztInnen und Angehörige) lernen, mit den Menschen mit Demenz zu kommunizieren. Solche „skill trainings“ werden in Pflegeheimen und in der Hauskrankenpflege angeboten, aber im Akutsetting in den Krankenhäusern fehlt es an Know-how. Aus meiner Sicht ist hier jede Form der Zusatzausbildung wünschenswert, in allen Professionen. Eine Methode der Kommunikation mit Menschen mit Demenz ist beispielsweise die Validation. Man weiß, dass die Handtasche für viele demenzkranke Patientinnen ein Symbol für ihre Biografie ist. Kommen diese Betroffenen in ein Krankenhaus, müssen sie meist ihre Handtasche abgeben. Diese Vorgangsweise kann so einschneidend wirken, dass praktisch jede weitere Untersuchung unmöglich wird. Wir haben in Österreich durchaus modellhafte Initiativen und Umsetzungskonzepte zu Palliative Care für alte Menschen und zur personzentrierten Kommunikation mit Menschen mit Demenz. Ich denke aber, dass die Vernetzung dieses Wissens fehlt und gute Projekte durch Personalkürzungen und Schließungen bedroht sind. Gefordert ist hier vor allem die Gesundheitspolitik, damit das vorhandene Know-how aus der Praxis aufgenommen, wertgeschätzt und multipliziert wird.

Es muss einen Zusammenschluss aller Disziplinen geben, die sich mit dem Alter beschäftigen. Die Fragen unserer alternden Gesellschaft können nicht allein der Medizin überlassen werden, damit würde das Alter medikalisiert werden. Alter ist keine Krankheit, sondern ein Lebensabschnitt. Es muss gemeinsame Anstrengungen geben, um die Versorgung zu sichern.

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