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Foto: SALK
Doz. Dr. Doris Mack Leiterin der Stabstelle für Qualitäts- und Riskmanagement, SALK
 
Standpunkte 13. April 2010

"Qualitätssysteme kosten im Aufbau Zeit und Geld.“

Die steigende Fehlerhäufigkeit bei müden Mitarbeitern ist nicht berufsgruppenspezifisch. Auch Piloten oder Lokführer machen mehr Fehler, wenn sie überarbeitet sind. Problematisch wird es erst, wenn die Fehler mehr als bloßen Sachschaden, nämlich Personenschaden verursachen. Diese Fehler sind auch nicht neu, aber in den letzten Jahren deutlich präsenter in den Medien.

Ein Beschwerdemanagement, Patientenbefragungen, eine offene Fehlerkultur und ein Fehlermeldesystem sowie jede Form von Qualitätsmanagementsystemen tragen natürlich dazu bei, dass wir auf lange Sicht weniger Fehler haben werden. Aber: Neue Prozesse und klinische Pfade müssen an der Front entwickelt werden, gemeinsam mit Ärzten und Pflegern. Das kostet vorab Zeit und Geld und setzt damit genau dort an, wo wir wieder in der gesundheitspolitischen Diskussion um Kosteneinsparungen bei mehr Qualität stecken. Bis die positiven Effekte dieser Maßnahmen spürbar sind, wird das noch dauern.

Die SALK als Dienstgeber setzte eine Reihe von Maßnahmen, um der Fehlerhäufigkeit auf Grund von Stress, Überforderung und Übermüdung entgegenzuwirken. So gibt es spezielle Fördertöpfe für Supervision, Coaching oder Burn-out-Seminare. Diese Angebote existieren nicht nur am Papier, sie werden auch von den Mitarbeitern angenommen. Themen wie Konfliktmanagement oder Sucht werden von unseren Arbeitsmedizinern aufgegriffen. Erst kürzlich haben alle Führungskräfte verpflichtend an einem Burn-out-Seminar teilgenommen, um die Gefahr nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei den Mitarbeitern rasch zu erkennen. Bei 5.000 Mitarbeitern wird trotz aller Maßnahmen immer ein Restrisiko menschlichen Versagens bleiben. Wenn jemand diesen Beruf ergreift, um heilen und helfen zu wollen, dann sind derartige Situationen mehr als problematisch und jeder einzelne Arzt weiß durchaus um die Tragweite seines Handelns und seiner Verantwortung Bescheid.

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